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Prozess:Daimler-Erpresser muss mehr als sechs Jahre ins Gefängnis

Prozess um Daimler-Erpressung

Bis zu 25 Millionen Euro wollte ein 31-Jähriger von Daimler erpressen.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Der Mann hatte Millionen gefordert und gedroht, Quecksilber in Fahrzeugen der Marke Mercedes zu verteilen. Eine DNA-Spur brachte die Ermittler schließlich auf seine Fährte.

Wegen der versuchten Erpressung des Autoherstellers Daimler ist ein Mann vom Stuttgarter Landgericht zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Insgesamt habe der 31-Jährige elf Erpresserschreiben verfasst, sagte der Richter am Donnerstag.

Die angestrebte Beute sei "wahnsinnig hoch" gewesen. Der zuletzt in Berlin lebende Mann forderte zwischen Dezember 2019 und April mehrfach hohe Millionenbeträge von dem Konzern. In einem Fall waren es 25 Millionen Euro, in einem anderen Fall verlangte er drei Millionen Euro. Für den Fall der Nichtbezahlung habe er unter anderem gedroht, Quecksilber in Fahrzeugen der Marke Mercedes zu verteilen.

Die Summe wollte sich der Angeklagte in einer Kryptowährung zahlen lassen, um nicht entdeckt zu werden. Darauf sei der Autohersteller aber nicht eingegangen. "Die Geldübergabe ist immer der Schwachpunkt einer Erpressung", sagte der Richter.

Der Täter zündete eine Rohrbombe, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen

Am 8. März habe der Angeklagte in Berlin die Rohrbombe unter einem Mercedes-Wagen gezündet, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen und sich gegenüber Daimler dazu bekannt. Der Konzern habe danach jede weitere Kommunikation und Kooperation mit dem Mann abgelehnt.

An einem Teil der zerstörten Bombe konnte die Polizei eine DNA-Spur des Mannes sichern und ihm zuordnen. Anfang April dieses Jahres wurde er in Berlin festgenommen. Der 31-Jährige ist mehrfach vorbestraft und wurde erst im Sommer 2019 auf Bewährung aus der Haft entlassen. Ein zunächst ebenfalls verhafteter vermeintlicher Komplize ist schon lange wieder auf freiem Fuß. Er habe mit der Tat nichts zu tun, sagte der Staatsanwalt.

Seit Anfang April saß der Angeklagte, der die Tat gestanden hatte, in Untersuchungshaft. Er wurde nun wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verurteilt.

Mit dem Urteil entsprach das Landgericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre und neun Monate Haft für den Mann gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Jahren plädiert.

© SZ/dpa/mkoh/afis
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