Sturmtief "Ylenia":Bahn stellt Fernverkehr teilweise ein

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Sturmtief "Ylenia": Umgestürzter Baum in Krefeld. Auch in Nordrhein-Westfalen hinterließ der Sturm zahlreiche Spuren.

Umgestürzter Baum in Krefeld. Auch in Nordrhein-Westfalen hinterließ der Sturm zahlreiche Spuren.

(Foto: Alexander Forstreuter/dpa)

Die Gefahr einer Sturmflut scheint gebannt zu sein, aus anderen Regionen des Landes werden Überschwemmungen und umgestürzte Bäume gemeldet. Der Zugverkehr im Norden ist schwer beeinträchtigt.

Die Deutsche Bahn hat wegen des Sturms Ylenia den Fernverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg verkehren keine Züge des Fernverkehrs, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Auch im Regionalverkehr komme es zu Zugausfällen und Verspätungen. In Niedersachsen sei aufgrund der Sturmschäden südlich von Hamburg kein Zugverkehr möglich. Wegen des noch andauernden Sturms ist mit weiteren Störungen zu rechnen. Eine Übersicht über die Beeinträchtigungen durch das Unwetter gibt die Deutsche Bahn hier.

Der Konzern teilte mit, dass für den Zeitraum Donnerstag bis Freitag Kulanzregelungen für bereits gekaufte Fernverkehrstickets gelten. Mehr über die Rechte von Reisenden lesen Sie hier.

Einschränkungen werden auch für den Flugverkehr gemeldet. Die Lufthansa hatte bereits vorsorglich 20 Verbindungen annulliert, vorerst sollen aber keine weiteren Verbindungen gestrichen werden. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sind nach Betreiberangaben Verbindungen mit Berlin, München und Hamburg betroffen. Am Flughafen Hamburg fallen rund ein Dutzend Flüge aus.

Die Feuerwehren und Polizeileitstellen berichteten am frühen Donnerstagmorgen vielerorts von zahlreichen Einsätzen, größere Schäden blieben vorerst aber aus. Die Feuerwehr Berlin rief den Ausnahmezustand aus. Meldungen von Verletzten lagen aus Berlin trotz Dutzenden Feuerwehreinsätzen am Morgen nicht vor.

In Hamburg wurde am Morgen der Fischmarkt erneut überflutet. "Am Pegel St. Pauli wurde gegen fünf Uhr ein Wert von 1,98 Meter über dem mittleren Hochwasser (MHW) gemessen", sagte ein Sprecher des Sturmflutwarndienstes des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. An der Nordseeküste spricht das BSH ab 1,5 Meter über MHW von einer Sturmflut. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

In Schleswig-Holstein gab es in einigen Orten an der Nordseeküste eine Sturmflut - in Husum etwa wurde ein Pegelstand von 1,64 Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen. An vielen anderen Pegeln blieben die Wasserstände allerdings unter dem Wert einer Sturmflut. Auch für das Mittags- beziehungsweise Nachmittagshochwasser am Donnerstag warnte das BSH vor erhöhten Wasserständen. Im ganzen Bundesland hat der Sturm viele Feuerwehreinsätze ausgelöst. Größere Schäden blieben in der ersten Nachthälfte aber aus, wie Feuerwehren und Polizeileitstellen am frühen Donnerstagmorgen berichteten.

Auch in Nordrhein-Westfalen hinterließ der Sturm zahlreiche Spuren. In Kleve am Niederrhein wurde das Zelt einer Corona-Teststation zerstört. In Wuppertal stürzte in der Nacht ein etwa 40 Meter hoher Baum auf die Schienen der Schwebebahn. Die Feuerwehr habe den Baum zersägt und weggeräumt, sagte ein Sprecher. Für die etwa 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW fällt wegen der Sturmwarnungen an diesem Donnerstag der Unterricht aus. Der Erlass, mit dem diese landesweite Entscheidung möglich ist, wurde nach dem Sturm Friederike 2018 erarbeitet und wird nun erstmals angewandt.

Auch in mehreren Regionen Niedersachsens oder etwa Bayerns dürfen Schülerinnen und Schüler wegen der Wettergefahren zu Hause bleiben.

Besonders stürmisch war es in der Nacht auf dem exponiert liegenden Brocken im Harz. Dort wurden in der Nacht in der Spitze Windgeschwindigkeiten von bis zu 156 Kilometern pro Stunde gemessen. Der Wert sei kurz nach Mitternacht aufgezeichnet worden, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Er wies darauf hin, dass die Zahlen noch vorläufig seien und noch korrigiert werden könnten. Auch in anderen Teilen Deutschlands gab es in exponierten Lagen Orkanböen und orkanartige Böen.

Ab Donnerstagnachmittag wird der Wind von Tief Ylenia laut DWD langsam nachlassen. Die Verschnaufpause dürfte jedoch nur kurz sein. Bereits für Freitagmittag wird das nächste Orkantief - Zeynep genannt - von den Britischen Inseln kommend erwartet. Dem DWD zufolge wird wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte Deutschlands betroffen sein. Doch die Prognosen seien nicht ganz eindeutig, die Wetterlage sei sehr dynamisch.

Bereits Ende Januar war das Sturmtief Nadia mit gefährlichen Böen über Nord- und Ostdeutschland gefegt und hatte Millionenschäden verursacht. Die jetzigen Ylenia-Stürme sind laut DWD, was die Windspitzen angeht, mit Tief Nadia vergleichbar. Die aktuelle Lage sei aus seiner Sicht allerdings brisanter, "weil wir eine Kette von Sturmtiefs haben".

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