SZ-Kolumne "Bester Dinge":Katzen mögen Mäusestimmchen

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(Foto: Imago)

Wer hoch spricht, wird nicht ernst genommen? Von wegen. Man muss sich nur den richtigen Zuhörer aussuchen.

Von Christina Gutsmiedl

Ein Loblied auf die hohe Stimme zu verfassen, ist ein schwieriges Unterfangen. Sie wird höchstens bei Sopranistinnen gerne gehört, aber auch nur dann, wenn sie Arien schmettern. Wissenschaftlicher Konsens ist: Tiefere Stimmen erwecken mehr Vertrauen beim Gegenüber, weshalb kieksenden Bankberatern oder Politikerinnen zu einem Stimmtraining zu raten ist. Wer piepst oder hoch spricht, wirkt ängstlich, aufgeregt oder unsicher und wird zu allem Überfluss auch noch als unterlegen eingeordnet.

Wer sich in Märchen auskennt, weiß, dass es durchaus gefährlich sein, hohe Stimmen zu unterschätzen. Davon können die sieben Geißlein ein Lied singen. Der Wolf erschlich sich Zutritt zu ihrem Haus, indem er sich mithilfe eines Stückes Kreide eine Fistelstimme anfraß und sich so als ihre Mutter ausgab. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt: Sechs von den sieben Geißlein landeten im Bauch des Wolfes. Außerhalb von Märchen funktioniert der Trick mit der Kreide übrigens nicht, da hätte der Wolf schon einen Ballon mit Helium inhalieren müssen.

Aufhorchen lässt nun eine Studie aus dem Tierreich, die sich allerdings nicht mit Geißlein und säuselnden Wölfen, sondern mit Katzen beschäftigte. Französische Forscher haben herausgefunden, dass Katzen auf höher verstellte Stimmen reagieren. Eine der Autorinnen, Charlotte de Mouzon, sagte der New York Times: "Die Reaktionen waren sehr subtil." Die Katzen hätten, wenn sie mit mausiger Stimme angesprochen worden seien, mit den Ohren gewackelt und sich nicht mehr bewegt oder den Kopf gedreht. Wären die sieben Geißlein übrigens Katzen gewesen, hätten sie dem Wolf bestimmt nicht die Tür geöffnet. Denn diese, so das Ergebnis der Studie, reagieren nur auf die Piepsstimmen ihrer Besitzer, nicht aber auf die von Fremden.

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