Streit um Skulptur Katar verhüllt nackte Brüste mit Flaggen

Der mittlerweile verhüllte Giebel der Villa Calé.

(Foto: dpa)
  • Katar verhüllt die Skultpur einer barbusigen Frau mit den Nationalflaggen Deutschlands und Katars.
  • Die Villa, dessen Giebel die Skulptur schmückt, befindet sich seit 20 Jahren im Besitz des Emirats.
  • Denkmalschützer sind wohl machtlos, ein Berliner CDU-Politiker kritisiert die Zensur aber scharf.

Wenn es um Zensur und nackte Brüste geht, spielte in den vergangenen Jahren meist Facebook die Hauptrolle. Vor allem deutsche Nutzer beschwerten sich über die angeblich übertriebene Prüderie des US-Unternehmens. Diesmal ist Facebook komplett unschuldig, und die Nacktheit nicht digital, sondern ausgesprochen analog: Im Mittelpunkt des Streits steht eine barbusige Frau aus Stein, der Zensor heißt Katar.

Seit mehr als hundert Jahren schmückt die Figur den Giebel der Villa Calé in Berlin-Zehlendorf. Seit einigen Tagen sind dort nur noch die Nationalflaggen Deutschlands und Katars zu sehen. Der Stoff soll die Büste vor den Augen der Besucher verbergen. Offenbar stört sich der Eigentümer des Gebäudes, das Emirat Katar, am Anblick der halbnackten Frau und ihren beiden Kindern.

So sieht der Giebel der Berliner Villa eigentlich aus - nur scheint das den Kataris nicht zu gefallen.

(Foto: dpa)

Schon mehrfach hat das Emirat versuchte, die vermeintlich anstößige Skulptur aus dem Giebel der Villa zu entfernen. Bislang scheiterte das aber am Widerstand des Landesdenkmalamts. Das Emirat kaufte das 3000-Quadratmeter-Anwesen im Jahr 1997, um dort die katarische Botschaft zu eröffnen. Doch nackte Brüste eignen sich offenbar nicht allzu gut als Repräsentation eines muslimischen Landes. Für die Botschaft wurde ein Neubau in Grunewald in Auftrag gegeben, die Villa Calé verfiel.

Vor zwei Jahren kündigte der damalige katarische Botschafter schließlich an, das Gebäude zu sanieren. Anlass sei das Deutsch-Katarische Kulturjahr 2017. Die Bauarbeiten dauerten bis Mai, Bauaufsicht und Landesdenkmalamt nahmen die restaurierte Giebelskulptur ab, wie Landeskonservator Jörg Haspel dem Berliner Tagesspiegel bestätigte - damals allerdings noch ohne Verschleierung.

Die ungewöhnliche Form der Zensur gefällt den Denkmalschützern nicht, allerdings scheinen sie vorerst machtlos. "Als diplomatische Residenz ist das exterritoriales Gelände", sagt eine Sprecherin. Berliner Politiker werden deutlicher. Burkard Dregger, CDU-Vertreter im Abgeordnetenhaus, kritisiert die Verhüllungsmaßnahmen mit drastischen Worten: "Natürlich haben diese rückwärtsgewandten Betonmuslime Schwierigkeiten damit, die Schönheit der Schöpfung zu zeigen", sagte er der Welt.

In der katarischen Botschaft war am Donnerstag telefonisch niemand zu erreichen, eine offizielle Stellungnahme gibt es bislang nicht. Immerhin: Der Rest der Villa sei "mustergültig" renoviert worden, loben Denkmalschützer.

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