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Streit um neues Festival:Gerockt oder verzockt?

Deutsche lieben Musicals, Zoos und Open-Air-Events

Wo sollen sie feiern? Festival-Publikum, hier bei "Rock am Ring" 2014.

(Foto: dpa)
  • Die Organisatoren des Festivals "Grüne Hölle Rock" streiten sich wegen Gagen und Werbekosten mit den Betreibern des Nürburgrings.
  • Sie prüfen, ob sie mit dem gesamten Festival ins Schalker Fußballstadion umziehen.
  • Der Erfolg des neuen Festivals, das sich vor allem auf harten Rock beschränkt, wird von manchen bezweifelt. Die Ticketverkäufe sollen schlecht laufen.

Streit gehört zum Rock'n'Roll, und es gibt viele Gründe, sich in die verschwitzten Haare zu kriegen, Groupies, Fehler in Gitarrensoli, solche Sachen. Meist geht es aber, ganz profan, um Geld. Das gilt besonders für die Veranstalter der großen Festivals.

Wegen der Frage, wer Metallica und The Hives die Gage vorstreckt, könnte nun sogar das Nachfolgefestival des legendären "Rock am Ring" auf dem Nürburgring platzen - und in die musikhistorisch eher unbedeutende Fußballarena auf Schalke umziehen. Dann wäre die große Rockparty auf der Rennstrecke in der Eifel nach drei Jahrzehnten endgültig Vergangenheit.

Die Deutsche Entertainment AG (Deag) prüft derzeit, ob sie ihr Festival "Grüne Hölle Rock" am letzten Maiwochenende vom Ring nach Gelsenkirchen verlegt. Begründung: Der Betreiber des Rings, die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG), wolle ihren Teil der Gagen und Werbekosten nicht zahlen. Es ist ein vertrackter Streit.

Zweifel an Erfolg des Festivals

Die "Grüne Hölle" findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Zeitgleich richtet die Deag auch "Rockavaria" in München und "Rock in Vienna" in Wien aus. Doch es gibt Zweifel, ob sie den Nürburgring - auf den fürs Festival 80 000 Menschen passen - vollbekommt.

Insbesondere, weil der Deag-Konkurrent Marek Lieberberg sein Original-Festival "Rock am Ring" nur eine Woche später ausrichtet. Und nur 30 Kilometer entfernt auf einem ehemaligen Militärflugplatz. Und: Lieberbergs Veranstaltung ist mit 85 000 Gästen bereits ausverkauft.

Die Zweifel an der "Grünen Hölle" haben auch den Gastgeber CNG erfasst, so stellt er es zumindest dar. Die Ticketverkäufe sollen nach seinen Angaben schlecht laufen. Auch Deag-Chef Peter Schwenkow teilt mit, dass er mit dem Verkauf für den Ring unzufrieden ist. Doch da hört die Einigkeit auch schon auf.

War das Festival zu sehr auf Hardrock beschränkt?

Weil die Deag nicht "performe", wie es ein CNG-Sprecher formuliert, trage man die bisher angefallenen Kosten nicht mit. Für diese Kopplung von Ticketverkäufen und Kostenübernahme gebe es im Vertrag aber keine Grundlage, erwidert Schwenkow. Dort stehe, dass die CNG 50 Prozent zahle. (Ein Interview mit Peter Schwenkow zum Münchner "Rockavaria"-Festival lesen Sie hier)

Dass sie schwache Verkäufe anführt, hält er für eine "Schutzbehauptung". Es gehe wohl um etwas anderes: "Wir wissen nicht, ob die CNG das Geld hat." Der Sprecher der CNG stellt dagegen die Frage, ob der musikalische Fokus des Festivals - Hardrock - womöglich zu beschränkt war.

Die Bands Metallica, Kiss und Muse sind die Haupt-Acts der "Hölle". Konkurrent "Rock am Ring" bedient dagegen viele Geschmäcker. Dort treten auch DJs wie Fritz Kalkbrenner oder Rapper wie Prinz Pi auf. Schwenkow bestreitet, dass es weniger Fans harter Rockmusik geben könnte als gedacht: "Am Programm kann es nicht liegen." Es habe mehr als 20 Koordinationsgespräche zwischen seinen Marketingleuten und denen der CNG gegeben.

Fans sind verärgert

Und die Fans? Beschweren sich derweil bei Facebook. Viele haben Fahrten und Hotels gebucht. Dass zwei Monate vor dem Festival plötzlich der Veranstaltungsort in Frage steht, damit konnte keiner rechnen.

Und während die Deag mit ihrem Gastgeber streitet, kann sich ein anderer freuen: Rivale Marek Lieberberg. Der hatte seit 1985 das Original-Festival am Nürburgring veranstaltet und ist auf den alten Flugplatz umgezogen. Ein neuer Vertrag zwischen den Betreibern des Rings und Lieberberg war 2014 geplatzt.

Die CNG wollte sich nicht auf seine Konditionen einlassen: 65 Prozent des Gewinns für ihn, 35 für den Ring. Mit der Deag besteht zwar ein 50:50-Vertrag für fünf Jahre. Er droht allerdings zu platzen, noch bevor das erste Gitarrenriff erklungen ist.