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Streit um Bierbikes:"Wenn der Gaul nicht will, kann der Reiter nix machen"

Die Sicherheit. München, Köln, Düsseldorf und Frankfurt verbannen die Partybikes inzwischen von den Straßen, sie seien zu gefährlich, sagen manche. Der Fahrer, der nur über Lenker und Bremse gebiete, habe keine Handhabe, wenn die an den Pedalen den Dienst versagten, auf einem Bahnübergang etwa. Immerhin wiege das Ding eine Tonne - ohne Passagiere. Zwier van Laar, ein Mann von großem Pragmatismus, sagt: "Wenn der Gaul nicht will, kann der Reiter nix machen."

In Frankfurt hat ein Auto ein Bierbike angefahren, in Köln soll ein Betrunkener heruntergekippt sein. Ernsthaft wurde noch keiner verletzt.

Henk schweißt, Zwier redet. In Deutschland und in den Niederlanden gehe es viel um Bier, meist säßen dort Männer auf dem Partymobil, sagt Zwier. In den USA aber, da buchten zu 70 Prozent Frauen, die tränken auch keinen Alkohol. "Da gilt das als Workout", sagt er, und lacht dabei, als würde ihn diese Idee selbst befremden. Platz ist auf dem Bierbike für ein 50-Liter-Fass.

80.000 Euro pro Bike

In diesem Jahr schaffen sie 50 Bikes. Angestellte haben sie nicht, sie machen alles allein in Handarbeit, nur die Theke und das Dach lassen sie schreinern. Pro Bike nehmen sie 80.000 Euro. Allein in Deutschland fahren die Spaßräder in 34 Städten, in den USA sind 20 in Betrieb, in den Niederlanden 27. Der Rest kurvt sonstwo in der Welt herum. Da solch eine Geschäftsidee kaum zu schützen ist, gibt es bereits Plagiate. Zwier van Laar macht das zwar wütend, aber ändern lasse sich das ja eh nicht. "Wir leben gut mit der Erfindung", sagt er.

Während die Brüder in Kootwijkerbroek rackern, kümmert sich Udo Klemt in Köln um die großen Linien. Er hat einen "Bierbike-Kodex" erfunden, in dem steht, dass man während der Fahrt nicht pinkeln und pöbeln darf, und dass der Fahrer vom Verleiher kommt und nüchtern ist. Klemt vergibt in Deutschland die Lizenzen für das Bierbike. Er arbeitet als Strafverteidiger, Verkehrsrecht ist sein Steckenpferd.

Gerade wartet Klemt auf Post aus Leipzig. Dort befasst sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage, ob man mit dem Bierbike einfach so auf der Straße fahren darf, oder ob man eine Erlaubnis dafür braucht. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte so entschieden. Hauptzweck sei das Feiern, nicht die Teilnahme am Verkehr, fanden die Richter. Nun prüft Leipzig, ob die Revision zugelassen wird, sagt der Sprecher namens Dr. Bier. Wird Klemts Begehr abgewiesen, wird es eng für die rollende Theke: Viele Kommunen wollen die ungeliebten Ballermänner auf Rädern sowieso am liebsten ausbremsen.

"Saufen und Fahren, das geht doch zusammen"

Er sei keine Spaßbremse, sagt Rainer Wendt von der Gewerkschaft der Deutschen Polizei. Aber indem die Dinger mitten in den Städten herumführen, würde signalisiert: "Saufen und Fahren, das geht doch zusammen." Volltrunkene hätten zudem im Verkehr nichts zu suchen. Er fordert ein bundesweites Verbot. Der Verkehrsgerichtstag in Goslar hatte im Januar Ähnliches angeregt.

Im Bundesverkehrsministerium sei man sich des Problems bewusst, sagt ein Sprecher. "Reguläre Verkehrsteilnehmer" seien Bierbikes nicht, also bräuchten sie eine Genehmigung. Wie genau die aussehen soll, dazu würden sich Bund und Länder dann noch austauschen.

Henk und Zwier van Laar verfolgen die Querelen in Deutschland aufmerksam, aber nicht zu aufgeregt. Als Amsterdam ihnen das Fietscafé verbieten wollte, weil es zu breit war, schweißten sie einfach schnell eine schlankere Version. In Amsterdam fahren nun Bikes, die statt 2,30 Meter nur 1,50 breit sind. Gezecht wird weiter.

Überhaupt sollten sich die Politiker und Richter nicht so haben, sagt Zwier van Laar. Einer, der ganz viel Spaß auf dem Gefährt in voller Breite hatte, sei ein Amsterdamer Stadtrat gewesen. Und aus Deutschland wüsste er, dass Richter und Polizisten dort privat gerne das Bierbike buchten.

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