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Streit über ein Logo:Political Absurdness

Markantes Markenzeichen: Das Logo des Familienunternehmens Neger.

(Foto: Firma)

In Mainz tobt ein Streit über das Logo der Dachdeckerfirma Neger - obwohl das Logo bereits seit 80 Jahren das Markenzeichen der Firma ist. Inhaber Thomas Neger aber bleibt bislang ebenso stur wie seine Gegner.

Von Martin Zips

Der Großvater des Handwerkers Thomas Neger hat den Mainzer Karneval vor Jahren mit der Interpretation eines Kinderliedes bereichert: "Heile, heile Gänsje". Hörten Menschen sein Lied, so dachten sie sofort an die unfassbare Zerstörung, die der von den Deutschen angezettelte Krieg nicht nur Mainz beschert hat.

Leute, die heute "Heile, heile Gänsje" hören, denken anders. Sie fragen womöglich: Ist so ein Lied nicht latent entenfeindlich? Geht es hier womöglich gar gegen Frauen? Und sollten Männer, die mit Nachnamen Neger heißen, überhaupt öffentlich Gänselieder singen dürfen?

Dieser Tage laufen Menschen gegen Ernst Negers Enkel Thomas Sturm. Der führt schon in vierter Generation die Dachdeckerfirma, deren Logo verschiedenen Initiativen und Einzelpersonen ein Dorn im Auge ist. Das Signet zeigt einen hammerschwingenden Schwarzen mit Rock, wulstigen Lippen und Ohrringen. Übelster Kolonialstil, natürlich. Aber eben schon seit fast 80 Jahren Markenzeichen des Familienunternehmens. Die Frage ist: Wird der laut diversen Studien ohnehin tendenziell eher ausländerfeindliche Deutsche durch so etwas noch ausländerfeindlicher? Und was ist dann mit den derzeit in einigen Läden angebotenen "Schaumwaffeln mit Migrationshintergrund"? Muss man die auch verbieten?

Die Debatte jedenfalls, die sich rund um das Mainzer Logo entspannt, hat Orkanstärke erreicht. Thomas Neger möchte sein Markenzeichen unbedingt behalten, was man als stur bezeichnen darf. Seine Gegner starten Aufkleber-Kampagnen mit Negers Konterfei und dem Text: "Rassismus ein Gesicht geben". Auch stur. Auf Facebook halten Menschen Plakate hoch, auf denen sie die sofortige Entfernung des Neger-Logos von Gerüsten und Firmenwagen fordern. Total verbohrt. Bei so viel Holzköpfigkeit muss man sich langsam wirklich Sorgen machen: um Mainz.

Neben "Heile, heile, Gänsje" hat Thomas' Opa Ernst übrigens noch ein weiteres Lied gesungen. Es heißt "Humba Täterä" und im Text steht: "Überall, wo Blechmusik erklingt, Ihr Lieben Leut',/ja, da herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit." Meine Güte, wie streicherfeindlich ist das denn?

© SZ vom 02.04.2015/ebri
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