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Strauss-Kahn:Jack? Welcher Jack?

Former International Monetary Fund chief Dominique Strauss-Kahn attends a French Senate commission inquiry on the role of banks in tax evasion in Paris

"Jack is back": Drei Worte auf Twitter genügen, und schon redet nahezu ganz Frankreich wieder über den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, 66.

(Foto: Reuters)

Dominique Strauss-Kahn twittert, und Frankreich rätselt: Kehrt er auf die politische Bühne zurück?

Es ist viel geschrieben worden über Dominique Strauss-Kahn zuletzt, daher ist es nur konsequent, dass Strauss-Kahn nun selbst schreibt. Und natürlich rätselt Frankreich nun mal wieder über diesen Mann.

Es ist Sonntagabend, als der über Sexskandale gestürzte Star der französischen Sozialisten auf dem Kurznachrichtendienst Twitter seine allererste Nachricht verbreitet. Doch die ist so kryptisch, dass unklar ist, ob Strauss-Kahn damit kurz nach seinem Freispruch womöglich ein politisches Comeback ankündigen will. "Hello twitter! Jack is back", schreibt der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf Englisch. Jack ist zurück. Mehr nicht. Dazu hat Strauss-Kahn ein Schwarz-weiß-Foto gestellt, das ihn mit Dreitagebart zeigt. Als Hintergrund dient ein Bild vom marokkanischen Atlas-Gebirge - der Ort von Strauss-Kahns Kindheit, an den er sich immer wieder zurückzieht. Jack?

Twitter bestätigt, dass es sich bei dem Account um den des leibhaftigen Dominique Strauss-Kahn handelt, und nicht um eine Scherzattrappe, von denen es so viele gibt auf dem Onlinedienst. Bisher hatte "DSK", wie er in Frankreich nur genannt wird, keinen Zweifel gelassen, dass sein politisches Leben seit Mai 2011 beendet ist. Damals hatte er wegen der Vergewaltigungsvorwürfe eines New Yorker Zimmermädchens den Chefposten beim IWF und den Traum von der französischen Präsidentenwahl 2012 aufgeben müssen. Strauss-Kahn schaffte die Sache durch eine außergerichtliche Einigung aus der Welt. Jetzt, Anfang Juni, wurde er in Frankreich auch von dem Vorwurf freigesprochen, Kopf eines Prostitutionsrings gewesen zu sein. Zu den wenigen Sozialisten, die es daraufhin wagten, den von der französischen Politik Geächteten zum Freispruch zu beglückwünschen, gehört Ex-Kulturminister Jack Lang. Noch ein Jack. Zehn Tage später sonderte Strauss-Kahn seinen mysteriösen Erstlings-Tweet ab.

Das eigene Lager müht sich nun ebenso wie die konservative Opposition, die vermeintliche Comeback-Drohung zu ignorieren. "Gerade, wenn es viel Lärm gibt um eine Sache, schweige ich lieber", bescheidet etwa Innenminister Bernard Cazeneuve schmallippig. Die Twitter-Nutzer halten sich umso weniger mit Kommentaren zurück: "Jack", schreibt eine Nutzerin, erinnere sie an "Jack the ripper", den Serienörder der einst Prostituierte aufschlitzte.

Frankreichs Medien versuchen es auf seriösere Weise: Da DSK als Fan von US-Fernsehsagas bekannt sei, so der Figaro, sei sie eine Anspielung auf die Serie "24" und deren Hauptfigur Jack Bauer. "Müssen wir hier eine Parallele zu Jack Bauer ziehen, der auch zurückkehrt, obwohl die Serie eigentlich zu Ende sein sollte?", fragt die Zeitung beschwörend. Le Parisien weist darauf hin, dass "Jack is back" der Name eines schicken Restaurants in Marrakesch ist, in dem Strauss-Kahn ein- und ausgehen soll. "Frankreichs politische Kultur lässt ein Comeback auch dann noch zu, wenn es die Umstände in protestantisch geprägten Ländern unmöglich machen würden", sagt der Politikwissenschaftler und Sozialisten-Kenner Gérard Grunberg. Der Ex-Premierminister Alain Juppé zum Beispiel hat gute Chancen, nächstes Jahr die Vorwahl der Konservativen für sich zu entscheiden, um dann zur Präsidentenwahl anzutreten, obwohl er wegen illegaler Parteienfinanzierung vorbestraft ist. Und sein größtem Widersacher im eigenen Lager ist Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der wegen einer Affäre 2014 in Polizeigewahrsam war.

Trotz der Nachsicht der Franzosen mit ihren Politikern glaubt Grunberg im Fall Strauss-Kahns aber nicht an eine Rükckkehr. Angesichts seiner 66 Jahre müsse Strauss-Kahn die nächste Präsidentenwahl 2017 anpeilen - und damit die Sozialisten zwingen, eine Vorwahl gegen den amtierenden Präsidenten François Hollande abzuhalten. Und dann schwelt da ja noch ein anderer Skandal: In Luxemburg erwartet Strauss-Kahn womöglich Ärger wegen der Pleite einer halbseidenen Vermögensverwaltung, deren Präsident er bis Herbst 2014 war. Strauss-Kahns Geschäftspartner nahm sich das Leben - und hinterließ Kunden, die um Dutzende Millionen geprellt wurden. Strauss-Kahn selbst soll 600 000 Euro verloren haben. Das kratzt nach den Sexskandalen auch noch am Image als kompetenter Finanzexperte.

Auf seinem Twitter-Account macht Strauss-Kahn klar, dass er eher als Wirtschaftseminenz gelten will denn als möglicher Polit-Rückkehrer: Er stellt sich dort als früherer Finanzminister und Ex-IWF-Chef vor. Die einzigen, denen er - neben seiner aktuellen Lebensgefährtin - auf Twitter folgt, sind die Ökonomie-Nobelpersiträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz sowie zwei Wirtschaftsblätter.

Dafür folgen Strauss-Kahn nach seiner Nachricht nach 24 Stunden schon weit mehr als 30 000 Abonennten. "Strauss-Kahn", sagt Experte Grunberg, "hat bewiesen, dass er nicht tot ist."