Die wichtigste Zeugin

Der Fall, um den es geht, betrifft Andrea Constand. Sie lernte Cosby über ihren Job an der Temple University in Philadelphia kennen, an der Cosby studiert hatte und als Held galt. Cosby soll ihr 2004 in seinem Haus Beruhigungstabletten verabreicht und sie sexuell belästigt haben. Deshalb zeigte sie ihn 2005 bei der Polizei an und verklagte ihn wegen sexueller Nötigung. Cosby sagte damals unter Eid aus, häufiger Beruhigungsmittel einzusetzen, um sich Frauen gefügig zu machen. Er beschrieb den sexuellen Kontakt mit Constand als "einvernehmlich". Beide Seiten einigten sich außergerichtlich auf eine ungenannte Summe.

Im aktuellen Prozess rief die Staatsanwaltschaft Constand völlig überraschend schon am zweiten Verhandlungstag in den Zeugenstand. Die wichtigste Zeugin beschrieb detailliert, was ihr in Cosbys Haus widerfahren sei. Wie sie die angeblich "zur Entspannung" dienenden Pillen genommen habe, wie es ihr danach zunehmend schlecht gegangen sei, wie Cosby sie zu einem Sofa geführt habe, später mit dem Finger in sie eingedrungen sei - und sie sich nicht habe bewegen können.

Constand bestätigte vor Gericht, dass Cosby sie schon zuvor bedrängt hatte, sie sich aber trotzdem wieder allein in sein Haus begab. Sie gab auch zu, nach dem Vorfall 2004 noch häufiger mit Cosby telefoniert zu haben. Staatsanwaltschaft und Verteidigung versuchten dies unterschiedlich auszulegen.

Bild: REUTERS 17. Juni 2017, 17:152017-06-17 17:15:37 © Sz.de/dpa/fie/mane/olkl