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Stormy Daniels über Trump-Affäre:"So ein hübsches kleines Mädchen. Es wäre schade, wenn ihrer Mama etwas zustößt"

  • In einem Interview mit dem US-Sender CBS hat die ehemalige Pornodarstellerin Stormy Daniels über ihre angebliche Affäre mit US-Präsident Donald Trump gesprochen.
  • Unter anderem gibt sie an, nach dem ersten Bekanntwerden der Story 2011 bedroht worden zu sein.
  • Eine Schweigegeldzahlung an sie durch Trumps Anwalt könnte diesen in rechtliche Schwierigkeiten bringen.

"March Madness" steht im rechten oberen Bildschirmeck, darunter klebt das Logo des US-Senders CBS. Wahnsinn im März - ge­meint ist allerdings nicht das Interview mit der Pornodarstellerin und mutmaßlichen Trump-Affäre Stormy Daniels, sondern die alljährliche Meisterschaft im College-Basketball. Weil ein Spiel in die Verlängerung geht, verzögert sich die Ausstrahlung der Sendung 60 Minutes. Dass diverse amerikanische Medien dennoch pünkt­lich zum angesetzten Programmstart bereits aus dem Interview mit der Pornodarstellerin zitieren, liegt an einem Transkript, das der Sender mit Sperrfrist 19 Uhr herausge­ge­ben hat. Die resultierenden Schlagzeilen lassen vermuten: Journa­list Anderson Cooper hat der Frau, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, tatsächlich Aussagen mit Sprengkraft entlockt.

Vielleicht war dazu nicht mal beson­de­res Geschick nötig. Daniels' Kritiker sehen in ihr eine Oppor­tunis­tin und Lügnerin. Jemanden, der für Aufmerk­sam­keit und Geld bereit ist, vieles zu erzählen.

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Cooper greift diese Vorbehalte in den ersten Minuten des Gesprächs auf. Er gibt den Advo­ca­tus Diaboli - am Ende geht es hier schließ­lich auch um seine Glaubwürdigkeit. Er sei sich nicht sicher, warum sie dieses Inter­view gebe, begrüßt Cooper seine Interview­partnerin. "Mir ist es sehr wichtig, mich selbst zu verteidigen", antwortet Daniels. Natürlich bekomme sie mehr Job-Angebote, seit ihre Beziehung zu Donald Trump zum Politikum wurde. "Aber nennen Sie mir eine Person, die einen Job ablehnt, für den sie plötzlich mehr Geld bekommt, obwohl sie den gleichen Job macht, den sie immer gemacht hat!"

Eine Frau, die das Leben hart ge­macht hat, vielleicht auch ein bisschen bitter

Die 39-Jährige tourt derzeit durch Amerikas Strip-Clubs. "Make America Horny Again" lautet das Verkaufsversprechen ihrer Show - eine Anspielung auf Trumps Wahlkampfslo­gan. Daniels sagt, nicht sie selbst habe sich den Werbespruch ausgedacht, sondern die Clubbe­sitzer. Im 60-Minutes-Interview trägt sie zum schwarzen Bleistift­rock eine rote Bluse. Ihr Blick ist fest, abge­klärt. Ihr Lächeln nie ganz offen. Es wirkt, als sitze hier eine Frau, die das Leben hart ge­macht hat, vielleicht auch ein bisschen bitter. Auf viele Fragen antwortet sie kurz angebunden. Nein. Ja. Nein.

Das mag Kalkül sein, eine geschickte Inszenierung - Daniels arbeitet schließlich seit Jahren vor und mit der Kamera. Der Fall Stormy Daniels taugt auch deshalb zum Fernsehhöhe­punkt am Sonntag­abend, weil hier eine Frau sitzt, die schwer einzuschätzen ist. Die in der Vergangenheit mehrfach bestritten hat, auch schriftlich, mehr als eine oberflächliche Be­kanntschaft mit Trump gehabt zu haben. Und die nun Anderson Cooper erzählt, dass sie Trump 2006 am Rande eines Golfturniers getroffen habe. Er habe mit seinem jüngsten Zeitschriftencover geprahlt. Sie habe ihm mit besagtem Magazin den Hintern versohlt. Alles ein Spaß selbstver­ständ­­­lich.

Sie habe Trump als Mann nicht anziehend gefunden, sagt Daniels, und sie habe auch nicht mit ihm intim werden wollen. Aber sie habe sich nun mal mit ihm alleine in seiner Hotelsuite getroffen - als sie vom Frischmachen im Bad zurück ins Zimmer gekommen sei, habe Trump schon auf dem Bett gesessen. "Ich habe einen Fehler gemacht, ich war selbst schuld." Ein einziges Mal habe sie mit ihm Sex gehabt, ungeschützt. "Ich habe das als Business-Deal betrachtet." Trump, so erzählt es die heute 39-Jähri­ge, habe ihr die Möglich­keit einer Teilnahme bei der Promi-Ausgabe seiner Castingshow The Apprentice in Aussicht gestellt. Und ja, ihr sei bewusst gewe­sen, dass das vermutlich ein Köder gewesen sei. "Ich habe nie behauptet, dass ich ein Opfer bin", sagt Daniels.