Stormy Daniels in Berlin Ein sehr knapper Auftritt

"Internationale Erotik-Messe und Fachmesse für Internet, Multimedia und Adult Entertainment", so heißt die Veranstaltung offiziell, bei der Stormy Daniels am Donnerstag ihren großen, aber sehr kurzen Auftritt hatte.

(Foto: dpa)

In den USA gilt die Pornodarstellerin mittlerweile als Heldin, weil sie sich mit Präsident Trump anlegt. In Berlin ist ihre Rolle weniger glamourös. In Anwesenheit von grauhaarigen Männern in Gesundheitsschuhen eröffnet sie eine Erotikmesse.

Von Verena Mayer, Berlin

Es gehört zur Weltgeschichte, dass sie an den kuriosesten Orten zutage tritt. Zum Beispiel vor dem Berliner Messezentrum. Rundherum rauscht der Verkehr auf einem Autobahnzubringer vorbei, auf dem zugigen Vorplatz steht eine Bühne, über die ein rotes Band gespannt ist. Hier soll am Donnerstagvormittag eine der vielen Messen eröffnet werden, die das Jahr über stattfinden.

Nicht irgendeine Messe allerdings, sondern die Pornoschau "Venus", von den Veranstaltern "Internationale Erotik-Messe und Fachmesse für Internet, Multimedia und Adult Entertainment" genannt. Sie wird auch nicht von irgendjemandem eröffnet, sondern von einem Star der Branche, der Amerikanerin Stormy Daniels, deren Filme Titel wie "Sex, Lies and Spies" oder "Operation Desert Stormy" haben.

Der Desperado unter den Demokraten

Bekannt wurde Avenatti als Anwalt des Pornostars Stormy Daniels. Nun liebäugelt er mit der US-Präsidentschaft - und will Trump mit dessen eigenen Waffen schlagen. Von Beate Wild mehr ...

Das alles wäre nicht ungewöhnlich, wäre die 39-Jährige nicht vor einiger Zeit ins Zentrum der Weltpolitik gerückt. Mit der Aussage nämlich, dass sie 2006 eine Affäre mit dem heutigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, gehabt habe. Und dass dessen Umfeld ihr 130 000 Dollar gezahlt habe, damit sie im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 darüber Stillschweigen bewahrt.

Das hat Stormy Daniels jedoch nicht getan, sondern ein Buch darüber geschrieben. Es heißt auf Deutsch "In aller Offenheit: Eine Frau gegen Trump", steht in den USA auf der Bestsellerliste und hat kurz vor den anstehenden Zwischenwahlen das Zeug dazu, die amerikanische Politik durcheinanderzuwirbeln. "Eine unerwartete Macht", nannte es die New York Times.

Dementsprechend voll ist es auf dem Platz vor dem Berliner Messezentrum. Fotografen und Reporter aus aller Welt stehen dicht gedrängt und warten darauf, dass sich Stormy Daniels endlich der Öffentlichkeit zeigt. Dabei gibt es wenig, was man noch nicht über sie weiß.

In einem Fernsehinterview erzählte Daniels, wie sie den Präsidenten kennenlernte (bei einem Golfturnier), wo man sich traf (in einem Hotelzimmer) und dass Trump gerne die Naturfilmserie "Shark Week" guckte und dabei einmal von Hillary Clinton angerufen wurde, die er damals noch unterstützte. In ihrem Buch schreibt sie zudem, dass sie Republikanerin ist und als Stephanie Clifford in Louisiana aufwuchs. Die Familie war arm, als Kind bekam sie mit, dass ihr Nachbar seine Tochter sexuell missbrauchte. Sie schaffte es, sich als Selfmade-Woman aus dem Milieu herauszuarbeiten, erst als Stripperin, dann als Regisseurin von Pornofilmen.

Große Tattoos und sonst nicht viel am Körper

In Berlin geht jetzt Musik an, und auf der Bühne kommen drei rosa Pappkartons zum Vorschein. Aus denen springen mehrere junge Frauen, die große Tattoos und sonst nicht viel am Körper haben. Eine von ihnen ist das Model Micaela Schäfer, die minutenlang den Mund bewegt, als würde sie singen. Irgendwann steht eine unscheinbare blonde Frau in einem gestreiften Kleid neben ihr, so unvermittelt, als sei sie hier, um den Models zu sagen, sie sollten sich bei den Temperaturen lieber etwas überziehen. Es ist aber Stormy Daniels, die in der nächsten Sekunde das rote Band durchschneidet und dann genauso schnell wieder verschwunden ist.

Übrig bleiben verdutzte Journalisten und Leute, die wie das typische Erotikmessen-Publikum aussehen: männlich, grauhaarig, Gesundheitsschuhe. "Hast du sie, Olaf?", fragt ein älterer Herr den Mann mit der Hobbykamera neben ihm. "Ja, ick hab sie von hinten jenommen." Das finden die beiden witzig, wobei Männer wie sie gar nicht mehr zur größten Zielgruppe von Stormy Daniels gehören. In den USA sieht man bei Daniels' Auftritten viele junge Frauen, Schwule, Afroamerikaner. Für sie ist Daniels eine Heldin, weil sie sich mit dem Präsidenten angelegt hat. Eine Frau, der man zutraut, Weltgeschichte zu schreiben.

Gegen Trump. Aber was noch?

Was sich aus dem Herbst-Wahlkampf 2018 über die demokratische Strategie für die Präsidentschaftswahl 2020 erfahren lässt. Von Johannes Kuhn, Austin mehr...