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Stilkritik:Senioren am Steuer

Royal Windsor Horse Show Prince Philip Duke of Edinburgh arrives in his Land Rover to attend the Ro

Prinz Philip fährt wieder!

(Foto: Anwar Hussein/imago/PA Images)

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad: Nur wenige Stunden nach seinem Unfall lenkt Prinz Philip, 97, schon den nächsten Geländewagen. Oh no.

"I think I'll retire", sagt die 90-jährige Miss Sophie am Ende des zum deutschen Kulturgut avancierten britischen Sketches "Dinner for One". Miss Sophie hat recht. Die Freunde: passé. Der Butler: sturzbetrunken. Das Alter: auch kein Spaß. Da wird es langsam Zeit, sich zurückzuziehen.

Manche, so heißt es, verklärt das Alter. Andere indes versteinert es. Prinz Philip, 97, soll nur wenige Stunden nach seinem schweren Autounfall erneut am Steuer gesehen worden sein. Natürlich saß er nicht mehr in jenem Land Rover, in dem er sich in der Nähe des königlichen Landsitzes am vergangenen Donnerstag mehrfach überschlagen hatte. Nein. Der Land Rover ist jetzt hin. Der Duke von Edinburgh hatte damit zuvor einer Frau die Vorfahrt genommen. Sie und ihre Beifahrerin wurden verletzt, einem neun Monate alten Jungen passierte angeblich nichts. Nur wenige Stunden später: Breaking News im Vereinigten Königreich. "Philip rides again!" Ohne Gurt, ohne Beifahrer. Sogar ein neuer Geländewagen soll ihm schon vors Haus gestellt worden sein. Die Polizei verwarnte.

Als Bürger eines Landes, das - wie außergewöhnlich in Europa! - dank einer unfassbar mächtigen Autolobby sowie diverser handzahmer CSU-Verkehrsminister Eignungstests für ältere Wagenlenker beharrlich ablehnt, müsste man das alles eigentlich gut finden. Tut man aber nicht. "I think I'll retire." Was für ein schöner, fast merkelhafter Satz. Nur wer das Steuer rechtzeitig aus der Hand gibt, hinterlässt kaum Scherben. Der Duke sollte sofort den nächsten Exit nehmen. Und dann? Miss Sophie würde sagen: "I think we'll have champagne with the bird."