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Stilkritik:Robbie Williams

Hingucker: Robbie Williams und seine Frau Ayda Field bei der Premiere des Films "The Sea of Trees" beim Filmfest in Cannes.

(Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Ist das Haar oder kann das weg? Der Sänger Robbie Williams präsentiert in Cannes eine neue - nun ja - Frisur.

Von Marten Rolff

Der rote Teppich auf dem Filmfest von Cannes ist der glamouröseste 20-Meter-Lauf Europas. Sich zwischen all den Roben und Smokings ein Quentchen Aufmerksamkeit zu sichern, ist auch für echte Stars Knochenarbeit. Diesjähriger Sieger im Fame Game war kurioserweise ein Mann, den viele zuerst gar nicht erkannten. Das lag an einer Haartracht, bei der in den einschlägigen Foren Unklarheit darüber herrscht, ob man sie als Frisur bezeichnen kann. Weil sie aussehe, als habe jemand einen Pekinesenschweif durch Wasserstoffperoxid gezogen und dann bei Sturm mit Haarlack auf einem Stoppelfeld fixiert. Unkundige streuten sofort das Gerücht, dieser Mann sei David Beckham, der immer mehr ins Neobarocke abgleite, seit der Vertrag als Werbegesicht für einen schottischen Fritteusenfabrikanten ihn dazu zwinge. Ja, der Neid ist der schlechteste aller Beobachter! Denn natürlich konnte es sich hier nur um Robbie Williams (hier neben Ehefrau Ayda Field) handeln, der sich mit Symbolik auf großen Bühnen auskennt wie nur wenige sonst. Als Popstar jenseits der 40 weiß Williams, dass er in einem Alter ist, in dem ein Kopfschmuck eine Lebensleistung ausdrücken darf. Was passte da besser als die Pekinesen-Tolle, die sowohl die Boygroups der frühen 90er als auch den späten Elvis zitiert? Es ist die einzige Frisur, die es ihm erlaubt, in Cannes zum Festivalgespräch zu avancieren und zugleich unerkannt auf dem Feuerwehrfest von Stoke-on-Trent abzustürzen. Chapeau!

© SZ vom 19.05.2015

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