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Stilkritik:Jesuslatschen

Der Nike Air Max 97 kostet normalerweise 130 Euro - als "Jesus Shoe" aber 2740 Euro, plus Versand.

Der "Jesus Shoe" kommt mit Weihwasser aus dem Jordan. Auf seinen Sohlen geht man also wie Gottes Sohn persönlich - so erreicht der Schuh eine bislang kaum erschlossene Zielgruppe.

Endlich ist er da: der Turnschuh für Menschen mit Messias-Komplex. Der Schuh, auf dessen Sohlen man geht wie Gottes Sohn persönlich: auf Wasser. Nein, kein blasphemischer Fehlgriff, sondern eine schräge Aktion einer kleinen Firma für Produktdesign aus New York. Die hatte schon mehrere gute Ideen, darunter eine App, mit deren Hilfe man Netflix bei der Arbeit anschauen und dabei so tun kann, als wäre man gerade in einer Telefonkonferenz.

Jetzt also der "Jesus Shoe": ein Sneaker, dessen Sohle mit Weihwasser aus dem Jordan gefüllt ist. Die modernen Jesuslatschen sind Nike Air Max 97, die in der Normalo-Version 130 Euro kosten. Wer auf Weihwasser gehen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Aber, siehe zum Beispiel Markus 10,25: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt." Weshalb man die 2740 Euro plus 15,93 Euro Versand als Investition in ein Himmelsplätzchen betrachten kann.

Die Luftkammern der Sohle wurden mit 66 Kubikzentimetern Wasser vom Jordan gefüllt, das vor der Injektion von einem Priester geweiht wurde. Damit es auch Uneingeweihten auffällt, ist das Wasser hellblau gefärbt, in die Schnürsenkel ist ein Kruzifix eingebunden. Die Firma hat bisher 25 Paar Schuhe auf diese Weise umgewidmet, Nike hatte damit nichts zu tun. Allerdings darf man annehmen, dass eine ernst gemeinte Version der "Jesus Shoes" nicht lange auf sich warten lässt. Spätestens seit Pastoren von Super-Churches in 3000-Dollar-Sneakers vor ihrer Gemeinde predigen und Kanye West seine Besinnungsversammlungen via Social Media in die Welt senden lässt, dürfte auch in der Modeindustrie angekommen sein, dass eifrige Christen eine kaum erschlossene Zielgruppe sind.