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Stierhatz in Pamplona:1:0 für die Stiere

Mensch gegen 600-Kilo-Stier: Dass auch mal der Stier gewinnen kann, davon zeugt jetzt das beschädigte Hinterteil eines Amateur-Toreros in Pamplona.

Wer Pamplona hört, der denkt an Blut. Wer genau blutet, ob Mensch oder Stier, das ist eigentlich nebensächlich. Jedes Jahr verletzen sich dutzende Amateur-Toreros auf der traditionsreichen Stierhatz "Fiesta de San Fermín" in Pamplona, bevor die Stiere in die Arena getrieben werden und dort langsam zu Tode kommen.

In der Arena endet der 825 Meter lange Lauf für Stiere und Amateur-Toreros. Die Stiere lassen dort alle ihr Leben - die Männer haben mehr Glück. Seit 1924 sind in Pamplona "nur" 14 an ihren Verletzungen gestorben.

(Foto: Foto: Reuters)

Jetzt hat einer der Toreros eine besonders schmerzhafte Begegnung mit einem Stier gehabt und wird wohl eine Weile lang nicht so gut sitzen können. Der aus Madrid stammende Mann sei von einem der bis zu 600 Kilogramm schweren Bullen im Gesäß aufgespießt worden, teilten die Rettungskräfte in der nordspanischen Stadt mit. Die klaffende Wunde musste im Krankenhaus genäht werden.

Zwei weitere Läufer landeten ebenfalls in der Klinik, unter ihnen ein 24 Jahre alter Tourist aus Australien. Er erlitt eine Kopfverletzung. Bisher wurden in diesem Jahr bereits 44 Menschen verletzt. Am Mittwoch waren die als besonders aggressiv berüchtigten Stiere der Züchterei Cebada Gago auf die Teilnehmer losgelassen worden. Auf dem glitschigen Kopfsteinpflaster stürzten einige der Tiere und krachten in die Menschenmenge.

Bei der Hatz werden noch bis zum 14. Juli jeden Morgen sechs Kampfstiere durch die engen Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt, wo sie abends von professionellen Toreros getötet werden. Hunderte Männer rennen jedes Jahr auf der 825 Meter langen Strecke vor den Tieren her, die von mehreren zahmen Leitochsen begleitet werden. Als einzige "Waffe", um die Bullen von sich fernzuhalten, ist eine zusammengerollte Zeitung erlaubt.

Die Stiere haben weniger Glück als die Männer: Seit 1924 kamen 14 Läufer ums Leben, zuletzt 2003 ein 62-jähriger Spanier. Tierschützer kritisieren die Veranstaltung schon seit Jahren als Tortur für die Stiere. Sie geht auf einen alten Brauch zurück: Im Mittelalter wurden die Rinder von den Weiden auf den Schlachthof getrieben, zu Ehren des Heiligen Fermín. Der Heilige ist der Legende nach im 3.Jahrhundert enthauptet worden.

© dpa/abis/luw
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