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Sternenhimmel:Wenn die Pole wandern

Sternenhimmel

Das sollte man schon wissen, wenn man einen Kompass benutzt: Alle 500 000 Jahre dreht sich das Erdmagnetfeld um 180 Grad. Doch - keine Angst - eine Apokalypse bedeutet diese Pol-Umkehr nicht.

Von Helmut Hornung

Polsprung - dieser Begriff geistert immer wieder durch das Internet. Angeblich hätten die Eskimos eine Verschiebung der Orte des täglichen Sonnenaufgangs beobachtet. Das würde bedeuten, dass die Erdachse gewandert wäre. Doch hätten die Astronomen eine solche Änderung als erstes bemerkt und längst Alarm geschlagen. Denn sie haben das Himmelsgewölbe mit einem Koordinatennetz versehen: Wie jeder beliebige Punkt auf der Erdoberfläche durch Länge und Breite definiert ist, liegt auch jedes astronomische Objekt durch zwei Größen - Rektaszension und Deklination - exakt fest.

Wenn es keinen geografischen Polsprung gibt, dann vielleicht einen magnetischen? Vor 780 000 Jahren hätte eine Kompassnadel tatsächlich nach Süden gezeigt, das Erdmagnetfeld muss sich seither um 180 Grad gedreht haben. Statistisch gesehen geschieht so etwas alle 500 000 Jahre. Zwei Indizien deuten darauf hin, dass eine solche Umpolung vielleicht gerade abläuft: Das globale Magnetfeld ist seit 170 Jahren um rund zehn Prozent schwächer geworden und der magnetische Nordpol im vergangenen Jahrhundert um 1100 Kilometer gewandert. Doch die Apokalypse bedeutet eine Polumkehr nicht, das irdische Magnetfeld bleibt als Schutz vor Strahlung aus dem Kosmos erhalten. Außerdem vollzieht sich ein solcher Prozess über einen Zeitraum von Jahrtausenden - und nicht als "Sprung".

Merkur erscheint in den ersten Januartagen kurz am westlichen Abendhimmel, verschwindet dann und taucht zum Monatsende vor Sonnenaufgang tief im Südosten wieder auf. Venus, in der Rolle des Morgensterns, zieht am 9. Januar sehr dicht am Ringplaneten Saturn vorbei. Zwei Tage zuvor hatte die schmale Sichel des abnehmenden Mondes dem Duo einen Besuch abgestattet. Mars wandert von der Jungfrau in die Waage und zeigt sich ebenfalls am Morgen. Jupiter im Löwen schmückt den Nachthimmel. Uranus in den Fischen und Neptun im Wassermann schimmern am Abend. Die Mondphasen: Letztes Viertel am 2., Neumond am 10., Erstes Viertel am 17. und Vollmond am 24. Januar. Am 3. Januar erreicht die Erde mit 147,1 Millionen Kilometer ihren geringsten Abstand zur Sonne. Und in der Nacht zum 4. Januar fallen stündlich bis zu 100 Sternschnuppen der Quadrantiden.

© SZ vom 02.01.2016
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