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Staatsaffäre um Dickhäuter:"Die angesteckten Tiere sind eine Zeitbombe"

Aus Sicht der Behörden sieht der elefantöse Fall ganz anders aus. Sie argumentieren, Tuberkulose sei eine oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die auch von Tieren auf Menschen übertragen werde. Als der Infektionsverdacht bei den Elefanten aufkam, wurden diese daher zunächst isoliert. Im August dieses Jahres starb dann ein Elefant namens Java, der mit Népal und Baby zusammen war. Die Obduktion ergab: Er war mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. Daraufhin ordnete der zuständige Präfekt im Dezember an, Népal und Baby zu schlachten. Er wies auf die "schweren Infektionsrisiken" für die Menschen hin, die im Umfeld der Elefanten arbeiteten. Die Erfolgsaussichten einer Behandlung der Tiere seien zu ungewiss.

Edelstein zog vor das Verwaltungsgericht Lyon. In der Verhandlung sagte der Anwalt der Stadt: "Die angesteckten Tiere sind eine Zeitbombe. Es besteht ein offensichtliches Risiko für die Volksgesundheit." Das Gericht urteilte vor Weihnachten, die Tiere seien zu töten. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sei hoch. Die Bakterien seien "äußerst ansteckend und leicht auf dem Luftweg übertragbar". Weitere Tests seien zu langwierig und für Pfleger und Veterinäre gefährlich.

Doch Edelstein gibt nicht auf. Nun will er den Conseil d'État - das oberste Verwaltungsgericht in Paris - entscheiden lassen. Zugleich bittet er Hollande, die Tötung der Elefantendamen bis zur endgültigen juristischen Entscheidung auszusetzen. Parallel dazu läuft im Internet eine Petition an den Präsidenten. Bis Freitagnachmittag haben sie bereits mehr als 73 000 Menschen unterzeichnet. Sie bitten den Staatschef, die Elefanten zu "begnadigen".

Hilfe von der Prominenz

Inzwischen bekommt Edelstein auch prominente Hilfe. Die monegassische Prinzessin Stéphanie unterstützt ihn und will einen Tierarzt stellen. Brigitte Bardot und ihre Stiftung sagen zu, sich um die Tiere zu kümmern. "Auch der Zirkus Krone in München hat mir angeboten, eine Veterinärin zu schicken." Politiker wie der Abgeordnete und Arzt Bernard Debré machen sich ebenfalls für Népal und Baby stark.

Edelstein selbst verspricht, die Elefanten-Damen Ende 2013 zurück zu nehmen. Dann werde ein Park fertig, den er auf eigene Kosten im Pariser Umland für die "Rentner" unter seinen Zirkustieren baue.

Ob es etwas nutzt? Ob die Elefanten noch zu retten sind?

Der Beschluss des Präfekten steht im Raum. Eigentlich muss er rasch vollstreckt werden. "Sie können meine Tiere töten, wann sie wollen", sagt Edelstein. Seine Hoffnungen richten sich auf Hollande. "Ich appelliere an Ihre Weisheit, denn dieser schreckliche Entschluss ist nicht gerechtfertigt", bedrängt der Zirkusdirektor den Staatschef. Der Präsident muss sich in Frankreich um alles kümmern, selbst um die Begnadigung von Elefanten.

© SZ vom 29.12.2012/anhi
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