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Russland:Bekannter Napoleon-Experte soll Freundin ermordet haben

Als Napoleon Bonaparte spielte Oleg Sokolov immer wieder in historischen Rekonstruktionen des Krieges von 1812 mit.

(Foto: Olga Maltseva/AFP)

In St. Petersburg wird Oleg Sokolow, ein bekannter Historiker, aus dem Wasser gezogen. In seinem Rucksack hat er Teile einer Leiche dabei. Mittlerweile hat er die Tat gestanden.

Am Samstagmorgen haben Rettungskräfte ihn aus dem Fluss in Sankt Petersburg gezogen. Oleg Sokolow war unterkühlt und geständig. Er hatte im Wasser einen Rucksack dabei, darin bargen seine Retter die Arme einer Frau und eine Schusswaffe. In seiner Wohnung fand die Polizei später den Rest der zerstückelten Leiche und eine Säge. Im Krankenhaus gestand der Mann aus dem Fluss, eine Geliebte getötet zu haben.

Weil Oleg Sokolow nicht irgendjemand ist, sondern ein bekannter russischer Historiker, stürzt sich die Boulevardpresse auf den Fall. Der 63-Jährige lehrt in Sankt Petersburg, er gilt als Experte für europäische Militärgeschichte. Vor allem aber ist er ein begeisterter Napoleon-Kenner; für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde er in die französische Ehrenlegion aufgenommen.

In Russland ist Sokolow zudem eine Größe in der Reenactment-Szene: Er stellt Schlachten nach, etwa die bei Borodino 1812. Dann tritt er selbst als Napoleon Bonaparte auf. Zum Kostümball ging er in französischer Uniform und mit seiner jungen Geliebten am Arm, Anastasia Jeschtschenko.

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Die 24-Jährige Studentin aus Krasnodar schrieb ihre Doktorarbeit in Sankt Petersburg. Ihre Beziehung mit dem Professor hatten die beiden nie öffentlich gemacht, doch an der Uni wusste man davon. Sokolow war verheiratet, seine Frau hatte ihn verlassen und die beiden Töchter mitgenommen. Nun wohnte Jeschtschenko bei ihm, die beiden teilten ihre Leidenschaft für französische Geschichte.

Anastasias Bruder hat inzwischen mehrere Interviews gegeben. Demnach hatte sich das Paar immer wieder getrennt. In der Nacht zum Freitag, kurz bevor sie starb, habe Jeschtschenko ihn weinend angerufen, erzählt der Bruder. Sie wollte zu einer Geburtstagsfeier gehen, doch Sokolow war dagegen. Der Professor, den der Bruder der Toten als sehr eifersüchtig beschreibt, habe sie geschlagen. Seine Schwester habe ins Studentenwohnheim ziehen wollen, erzählt er, sie musste nur noch ihre Sachen holen. Als er sie kurz vor zwei Uhr nachts noch mal anrief, war sie zurück in der Wohnung bei Sokolow. Es sei nun alles in Ordnung, habe sie gesagt.

Er habe den Professor nicht persönlich gekannt, sagte der Vater der Toten, ein Sportlehrer aus Krasnodar, der Zeitung Komsomolskaja Prawda. "Aber Nastja hat nie etwas Schlechtes über ihn gesagt. Deshalb hat uns das, was passiert ist, geschockt."

Vorwürfe wegen Misshandlung

Die Boulevardzeitung Moskowskij Komsomolez dagegen berichtete bereits 2018 davon, dass der Professor einen Studenten gewaltsam aus dem Hörsaal werfen ließ. Sie zitierte damals auch anonym eine Studentin, die den Professor vor zehn Jahren bei der Polizei angezeigt hatte. Sie warf ihm vor, sie schwer misshandelt zu haben. Der Fall kam nie vor Gericht.

Vermutlich hat Oleg Sokolow seine Freundin nun erschossen. Die Beine hatte er bereits im Fluss Moika versenkt, bevor er selbst hineinfiel oder sprang. In russischen Medien kursiert die Vermutung, er sei so betrunken gewesen, dass er sich nicht halten konnte.

Sein Anwalt sagte, Sokolow habe seine Schuld eingestanden, eine ausführliche Aussage jedoch verweigert, um sich nicht selbst zu belasten. Sein Mandant stehe unter Schock. Der Anwalt warnte vor einer Vorverurteilung. "Bei uns spricht das Gericht jemanden schuldig."

Kollegen dagegen distanzieren sich bereits vor ihm. Sokolow war Mitglied im wissenschaftlichen Komitee des neu geschaffenen Instituts für Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften (Issep) im französischen Lyon. Die Nichte von Marine Le Pen hatte die Privathochschule mit rechter Ausrichtung 2018 gegründet. Das Institut teilte am Samstag mit, es habe den Professor ausgeschlossen.

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