SZ-Kolumne "Bester Dinge":Crash oder Cash?

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(Foto: Mr. Gamage via BBC)

Ein Edelsteinhändler aus Sri Lanka entdeckt in seinem Garten einen enormen Saphir im Boden. Riesenzufall? Pah, nichts im Vergleich zu wahrem Reporterglück.

Von Moritz Geier

Jeder Beruf hat seine Glücksmomente. Journalisten sprechen beispielsweise gerne von "Reporterglück", wenn sich exklusiv vor ihren Augen derart Aufregendes ereignet, dass sie eine große Geschichte zu erzählen haben. Stellvertretend sei hier Werner Helfen erwähnt, einst Fahrsicherheitsreporter im Lokalfernsehen, Sachsen, Freiberg-TV. Der gute Mann stand mal vor einer Kreuzung, die Kamera lief, er sprach darüber, wie gefährlich diese Kreuzung sei, man müsse sich da wirklich weit hineintasten in die Straße ("Wie wir jetzt im Hintergrund sehen...") und zack! - krachten hinter ihm, quod erat demonstrandum, zwei Autos ineinander. Über diesen herausragenden Glücksfall (keine Sorge, nur ein Blechschaden!) berichteten hinterher dann auch die überregionalen Medien.

Wesensverwandt, aber nur bedingt vergleichbar mit dem Reporterglück, ist das sogenannte Edelsteinhändlerglück, jenes Glück also, das die Berufsgruppe der Edelsteinhändler in besonders günstigen Momenten für sich beanspruchen darf. In Sri Lanka hat ein Juwelier gerade ein Loch in seinem Garten buddeln lassen, er wollte einen Brunnen bauen und zack! - fand er einfach mal den angeblich größten mit Sternsaphiren gespickten Steinblock der Welt im heimischen Boden. Experten schätzen den Wert des 510 Kilogramm schweren Teils auf 100 Millionen US-Dollar, der Saphir bekam sogar einen Namen: Serendipity, was man passenderweise mit Glücksfall übersetzen kann.

Über ihn berichten jetzt natürlich auch die großen Medien. Aber Journalisten können da nur müde lächeln. Denn was ist so ein lausiger Stein schon gegen einen echten Crash vor laufender Kamera?

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© SZ/lot
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