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Basejumping:Relativ gesehen nimmt die Zahl der Unfälle ab

Relativ gesehen nehmen die Unfälle jedoch ab. Im Lauterbrunnental kam es bisher im Schnitt zu vier bis fünf Todesfällen pro Jahr, allerdings steigt gleichzeitig die Zahl der Sprünge rasant an. Vor zehn Jahren waren es gemäß der Swiss Base Association, der Vereinigung der Schweizer Basejumper, noch 5000 bis 10 000 Sprünge pro Jahr allein im Lauterbrunnental, mittlerweile sind es etwa 20 000.

Auch eine Statistik der Unfallursachen wird mitgeliefert: Danach starben 71,5 Prozent aller tödlich verunglückten Basejumper bei Sprüngen von Felswänden, 12 Prozent der Opfer waren von Antennenmasten, zehn Prozent von Gebäuden gehüpft. Häufigste Todesursache war in 38 Prozent der Fälle, dass sich die Fallschirme nicht geöffnet hatten - und 30 Prozent der tödlich verunglückten Springer prallten gegen Felswände. Gut ein Drittel der Opfer trug Wingsuits.

Die hautengen Fluganzüge sind erst seit etwa zehn Jahren im Einsatz - sie kommen dem uralten Traum der Menschheit, aus eigener Kraft fliegen zu können, recht nahe. Mit Hilfe des Flügelanzugs können Sportler einige Sekunden lang frei durch die Luft gleiten, bevor sie den Fallschirm lösen, an dem sie dann zu Boden schweben. Soweit die Theorie.

Auch erfahrene Springer verunglücken tödlich

Bei einem Blick auf die Todesliste der Basejumper fällt auf, dass früher vor allem Anfänger verunglückten, mittlerweile erwischt es vermehrt auch erfahrene Springer - wie Uli Emanuel, der unter seinen Fans als Künstler der Szene galt. Im Frühjahr 2015 war er in der Schweiz durch einen zwei Meter breiten Felsspalt gezischt, mit 200 Stundenkilometern, zuvor war er schon durch einen brennenden Holzrahmen mit ähnlich kleinem Durchmesser geflogen.

Auch Dean Potter, der weit mehr als 1000 Sprünge erfolgreich absolviert hatte, verunglückte vergangenen Sommer tödlich. Der 43-jährige Amerikaner, der durch Flüge zusammen mit seinem Hund Whisper berühmt wurde, wollte zusammen mit seinem Kollegen Graham Hunt, 29, im Yosemite-Nationalpark zwischen zwei Felsen hindurchfliegen - doch sie verfehlten den Spalt und prallten gegen die Felswand.

Extremsport Verrückt nach Risiko
Porträt
Tod von Dean Potter

Verrückt nach Risiko

Dean Potter galt selbst bei Extremsportlern als extrem. Die Todesnähe bei seinen Sprüngen empfand er als "höchste Form der Spiritualität". Nun kamen er und ein Mitstreiter bei einem Wingsuit-Sprung im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien ums Leben.   Von Titus Arnu

"Das Brutale an dieser Sportart ist: Du kannst noch so fit und erfahren sein, es kann trotzdem immer etwas passieren", sagt der Schweizer Extrem-Bergsteiger und Basejumper Stephan Siegrist. Er kombiniert gerne alpinistische Spitzenleistungen mit Flugeinlagen, er kletterte als Erster ohne klettertechnische Hilfsmittel auf den "Mushroom", einen pilzförmigen Felsen in der Eiger Nordwand, und sprang von dort ab. Mittlerweile findet er es schockierend, wie viele seiner Kollegen tot sind - und hat deshalb gerade seinen Schirm verkauft, auch seiner Familie zuliebe.

Auf den Basejumpern lastet der Druck der Sponsoren

Die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen. Bei den sogenannten "Proximity Flights" - also Flügen ganz nah an Wänden oder durch Felsspalten - kommt es auf Sekundenbruchteile an. Ein Windstoß, und die Flugbahn verändert sich um die entscheidenden Meter. Dazu kommt der Druck, der auf den Profis unter den Extremsportlern lastet, um Klicks auf Youtube zu generieren und die Sponsoren zufrieden zu stellen. Nehmen die Springer dafür ein höheres Risiko auf sich?

Wie es scheint, lassen sich manche Extremsportler bei laufender Kamera tatsächlich auf mehr Action ein. Der Südtiroler Armin S., 28, streamte seinen Sprung vom Alpschelehubel bei Kandersteg im Berner Oberland vor ein paar Tagen live auf Facebook. "Heute fliegt ihr mal mit. Aber ihr hört nur was. Ich steck euch ein. Ciao! Drei, zwei, eins", lauteten die letzten Worte des Meraners. Dann ertönt ein Luftzug, ein Schrei, Geräusche eines Aufpralls. Am Ende der Live-Übertragung: Stille, und ein paar Kuhglocken.

Die Sucht zu springen
Trendsport Base-Jumping

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Sie stürzen sich von Brücken, Felsvorsprüngen und Fernsehtürmen. Und sind doch nicht lebensmüde. Hajo Schirber sprang bereits, als der Sport noch illegal war, und weiß um die Gefahren.   Mirja Kuckuk