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Spanischer Ärger um Sex-Karikatur:Falsche Stellung des Prinzen

Nicht zum Scherzen aufgelegt: Ein spanisches Gericht hat eine Satire-Zeitschrift beschlagnahmen lassen, weil diese einen schlüpfrigen Witz auf Kosten des spanischen Prinzenpaars druckte.

Javier Cáceres, Madrid

Eigentlich, so möchte man meinen, zählt es zu den vornehmsten Pflichten von Angehörigen einer Königsfamilie, für Nachfahren zu sorgen. Doch wer einen Jux darüber reißen will, muss mit der geballten Macht der Justiz rechnen, zumindest in Spanien. Erfahren musste dies eine Satire-Zeitschrift, die sich El Jueves nennt, Donnerstag also, obwohl sie mittwochs erscheint. Nun ordnete ein Richter des Nationalen Gerichtshofs auf Antrag des Generalstaatsanwalts die Beschlagnahmung sämtlicher Exemplare an. Der Grund: ein Scherz auf Kosten der Prinzen von Asturien, also Thronfolger Felipe und Gattin Letizia.

Anzügliche Witze über den spanischen Thronfolger Felipe und Gattin Letizia haben ernste Folgen für ein spanisches Satireblatt.

(Foto: Foto: Reuters)

Vor dem Hintergrund der soeben von der Regierung versprochenen Neugeborenenprämie von 2500 Euro wurden Felipe und Letizia in einer Pose karikiert, die einen natürlichen Zeugungsakt zeigt. "Ist dir das klar?", fragt Felipe: "Wenn Du jetzt schwanger wirst, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas getan, was wirklicher Arbeit ähnelt!"

Ehrverletzend fand das die Staatsanwaltschaft, aber nicht etwa wegen der Sprechblase, die den Prinzen als Schmarotzer darstellt, sondern wegen der Stellung, in der das Prinzenpaar abgebildet ist: Er hinten, sie vorne. "Eindeutig entwürdigend und objektiv entehrend" sei das, erklärte der Richter, und sah deshalb Anzeichen dafür, dass der Tatbestand der Verunglimpfung der Monarchie erfüllt sei.

Das Königshaus war über die richterliche Entscheidung nur mäßig amüsiert - aber nicht, weil auch der König zu den angeblich 400.000 regelmäßigen Lesern von El Jueves zählen soll. Entsetzen rief vielmehr hervor, dass die Entscheidung bestes Marketing war. An zahlreichen Kiosken war El Jueves im Nu vergriffen, die Homepage des Blattes stürzte mehrmals ab, ehe sie nach dem Beschluss des Richters abgedreht wurde. Vermutlich dürfte die Royals auch geärgert haben, dass wieder einmal die Frage aufgeworfen wurde, ob der Umgang mit der Monarchie, und diese selbst, noch zeitgemäß ist.

Die Königsfamilie genießt in Spanien sehr viel Vorschuss. König Juan Carlos erwarb ihn nicht zuletzt dadurch, dass er sich beim Putschversuch von 1981 als entscheidender Garant der jungen Demokratie erwies. Seine privaten oder geschäftlichen Angelegenheiten sind aufgrund eines ungeschriebenen Paktes der Verschwiegenheit tabu. Ob diese mediale Panzerung aber Klagen gegen Humoristen beinhalten muss, das muss manchem Spanier erst mal erklärt werden. Zuletzt geschah das, als sich Karikaturisten darüber lustig machten, dass dem König die Jagd im Ausland dadurch erleichtert worden sein soll, dass sein Opfer, ein Bär, mit Wodka abgefüllt wurde.

Ist das Titelblatt von El Jueves ein Indiz für ein bröckelndes Tabu? "Wir haben viel heftigere Sachen gebracht", findet Herausgeber José Luis Martín. Hilfe erhielt er von allen Medien außer den erzkonservativen Zeitungen ABC und La Razón. "Die Monarchie ist eine genetische Kette von Privilegien. Sie zu parodieren, ohne auf die, keusch gesprochen, reproduktive Angelegenheit anzuspielen, ist daher schwierig", analysierte La Vanguardia. Die Regierung meinte, die Meinungsfreiheit habe Grenzen. Die oppositionellen Konservativen verlautbarten etwas wirr, die Initiative des Staatsanwalts sei ein Fehler gewesen, die richterliche Entscheidung dafür korrekt.

Für nächste Woche hat El Jueves übrigens eine Berichtigung angekündigt. "Wir korrigieren", soll es über einem Bild einer Biene und einer Blümchen heißen: "So pflanzt sich die Königsfamilie fort."

© SZ vom 23.7.2007
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