In Brunnen gestürzter Junge "Ich glaube an ein kleines Wunder"

Hofft auf ein Wunder: José Roselló, der Vater des Zweijährigen, der in Andalusien in einen tiefen Schacht gefallen ist.

(Foto: dpa)
  • Ganz Spanien hofft darauf, dass der zweijährige Junge, der am Sonntag in Andalusien in einen engen Schacht gefallen ist, doch noch gerettet wird.
  • Experten wollen jetzt eine weitere unterirdische Verbindung graben und eine Roboterkamera einsetzen, um den Jungen aufzuspüren.
Von Larissa Holzki

Sie beten für Julen, sie verfolgen die Rettungsaktionen über die Liveticker der größten Landesmedien: Ganz Spanien bangt, ob der Zweijährige lebend geborgen werden kann. "Ich habe weiter die Hoffnung, dass mein Sohn noch lebt", sagte der Vater des Kindes, José Roselló, der Zeitung El País.

Bei einem Ausflug war der Junge am Sonntag mutmaßlich beim Spielen in einen mehr als 100 Meter tiefen Brunnenschacht auf einem Hügel in der Gemeinde Totalán in der Provinz Málaga gefallen, während die Familie picknickte. Bergungsteams versuchen unermüdlich, den Jungen aufzuspüren.

Bisher aber haben sie nur einige Haare in dem Schacht finden können und eine Tüte Süßigkeiten, die Julen bei sich hatte. Ein DNA-Test habe am Mittwoch ergeben, dass die Haare von dem Kind stammen, sagte ein Polizeisprecher. Die Behörden werteten das als Beweis, dass der Junge in dem Loch verschollen ist. Ein Lebenszeichen gibt es nicht. "Bitte hört nicht auf, bis wir ihn da rausgeholt haben", bat der Vater die Einsatzkräfte.

Die Aktion gestaltet sich äußerst schwierig. Der Schacht ist nur etwa 25 Zentimeter breit. Weil sich in dessen Inneren Erde gelöst hat, konnte eine Roboterkamera nur bis in 80 Meter Tiefe vordringen.

Mehr als 100 Helfer von Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz und anderen Notdiensten sind an dem Rettungsversuch beteiligt. Auch erfahrene Minenarbeiter wurden herbeigerufen. Zunächst wurde ein Paralleltunnel gegraben, um an den Jungen heranzukommen. Am Dienstag beschlossen Experten dann, sich von einem Abhang aus über einen weiteren horizontalen, etwa 50 bis 80 Meter langen Tunnel direkt zum Ende des Schachts zu graben. Von dort soll wieder eine Roboterkamera eingesetzt werden, um Julen zu finden. Es sei die sicherste und schnellste Methode, sagte eine Vertreterin der Zentralregierung in Andalusien. Die Experten gehen allerdings davon aus, dass die Arbeiten mindestens zwei Tage dauern werden.

Schon das zweite Unglück für die Familie

Alle Hoffnungen gründen darauf, dass sich das Kind in einer Luftblase befinden könnte. "Ich glaube an ein kleines Wunder, weil wir in anderen Fällen die Erfahrung gemacht haben, dass Personen auch nach Tagen noch gerettet werden konnten", sagt José Antonio Berrocal, Präsident des andalusischen Verbands für Höhlenforschung.

Die Anteilnahme der Spanier ist groß, vor allem, weil es schon der zweite Schicksalsschlag für die Familie sein könnte: Vor anderthalb Jahren hatten die Eltern bereits einen dreijährigen Sohn verloren, er starb bei einem Strandspaziergang an Herzversagen. Ministerpräsident Pedro Sanchéz rief dazu auf, die Hoffnung nicht aufzugeben. Mehr als 100 Firmen sollen angeboten haben, die Bergung zu unterstützen.

Warum der Schacht nicht abgesichert war, ist unklar. Örtlichen Medien zufolge war er im Dezember bei Erkundungsbohrungen gegraben worden. Der verantwortliche Unternehmer sagte der Nachrichtenagentur EFE, er habe den Brunnen wieder verschlossen. Zuvor hatten spanische Medien berichtet, dass es für die Bohrung keine Genehmigung gab.

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Beim Spielen soll der Junge in den Schacht einer Probebohrung mit nur 25 Zentimetern Durchmesser gefallen sein. Rettungsteams konnten das Kind bisher nicht erreichen.