Großbritannien:Ran an den Speck

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Großbritannien: Nach Angaben der Supermarkt-Kette "Waitrose" ist in Großbritannien die Spam-Nachfrage 2022 um satte 36 Prozent in die Höhe geschnellt.

Nach Angaben der Supermarkt-Kette "Waitrose" ist in Großbritannien die Spam-Nachfrage 2022 um satte 36 Prozent in die Höhe geschnellt.

(Foto: Alex Tai/imago images/ZUMA Wire)

In Großbritannien steigt die Spam-Nachfrage, exotische Rezepte für das rosa Frühstücksfleisch werden geteilt. Warum nur?

Von Alexander Menden

Im an schwachsinnigen Songs nicht eben armen Liederkanon der britischen Komikertruppe "Monty Python" ist der Spam-Song, aus unerfindlichen Gründen vorgetragen von einer Gruppe Wikinger, der vielleicht schwachsinnigste. Er besteht aus nichts anderem als den Worten "Lovely Spam, wonderful Spam!" Mit Spam sind keine unerwünschten E-Mails gemeint, sondern Frühstücksfleisch in Dosen. Die 1937 in den Vereinigten Staaten erfundene Konservenpaste aus Schweinenacken und Schinken, Salz, Wasser, Kartoffelstärke, Zucker und Natriumnitrit war im Zweiten Weltkrieg ein wichtiges, weil haltbares und leicht zu transportierendes, Nahrungsmittel der Alliierten, vor allem der Briten.

Das rosa Dosenfleisch ist kalorienreich und sieht aus wie ein Stück Leberkäse, dem noch das letzte bisschen Naturfleischähnlichkeit ausgetrieben wurde. Der Witz an dem Python-Song soll natürlich sein, dass mutmaßlich niemand Spam als "lovely" oder "wonderful" bezeichnen würde. Dem scheint aber der jüngste britische Trend zu widersprechen: Nach Angaben der Supermarkt-Kette "Waitrose" ist in Großbritannien die Spam-Nachfrage 2022 um satte 36 Prozent in die Höhe geschnellt.

In Hawaii hat das Dosenfleisch schon lange den Ruf einer Delikatesse. "Spam Musubi" ist dort eine lokale Spezialität. Es besteht aus, klar, Spam, das mit Sushi-Reis in ein Nori-Blatt eingewickelt wird. Ein eigenes Festival gibt es auch, die "Waikiki Spam Jam". Die Einwohner von Guam im Westpazifik verzehren durchschnittlich rund 16 Dosen pro Person im Jahr, was die Insel weltweit zu einem der größten Pro-Kopf-Verbraucher macht. Gerade Insulaner scheinen Spam also ganz besonders zu schätzen.

Spamwich, Spam-Pommes, Spam bánh mì

Das gilt auch für das Revival auf den Britischen Inseln, wo Monty Python einst ihre ironische Lobeshymne anstimmten. Zum einen ist das sicherlich den gestiegenen Preisen für frische Produkte geschuldet, welche die Verkaufszahlen von Konserven haben ansteigen lassen. Zum anderen verbindet sich hier die nie endende britische Nachkriegsnostalgie mit einer rustikalen Vorliebe für Convenience Food und internationalen Einflüssen.

Großbritannien: Spam-Pommes gibt es schon länger, der "Guardian" empfiehlt die jetzt mit Käse-Kimchi-Dip.

Spam-Pommes gibt es schon länger, der "Guardian" empfiehlt die jetzt mit Käse-Kimchi-Dip.

(Foto: zkruger/IMAGO/YAY Images)

Das beschränkt sich bei Weitem nicht auf das bescheidene "Spamwich", ein mit Spam und Salat belegtes Sandwich, wie es die Helden von Enid Blytons Kinderbuchserie in "Fünf Freunde im Zeltlager" verspeisen. Der Guardian, Hauspostille der britischen Foodie-Avantgarde, hat gerade eine Liste mit Spam-Rezepten veröffentlicht, darunter südkoreanisch inspirierte Spam-Pommes mit Käse-Kimchi-Dip, Spam Curry und Spam bánh mì, die Spam-Variante eines vietnamesischen belegten Baguettes.

Wem das zu schnöselig ist, kann beim nächsten Restaurantbesuch in England auch bestellen, was ein Gast im zum Spam-Song gehörenden Spam-Sketch von Monty Python ordert: "Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, Baked Beans, Spam, Spam, Spam und Spam!"

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