Soziale Gerechtigkeit:Essener Tafel will Aufnahmestopp für Ausländer Ende März aufheben

Essener Tafel

"Die Zahlen haben sich ins Gleichgewicht bewegt", sagt der Chef der Einrichtung. Mit ihrem Aufnahmestopp für Ausländer hatte sie eine bundesweite Debatte ausgelöst.

(Foto: dpa)
  • Die Essener Tafel sorgte mit einem Aufnahmestopp für Ausländer für eine bundesweite Debatte über Armut und Gerechtigkeit.
  • Weil der Andrang nachgelassen hat, will die Tafel den Aufnahmestopp wohl zum Ende des Monats aufheben.

Die Essener Tafel will ihren umstrittenen Aufnahmestopp für Ausländer voraussichtlich Ende des Monats aufheben. "Wir gehen davon aus, dass es in zwei, drei Wochen so sein wird", sagte Jörg Sartor, Vorsitzender des Tafel-Trägervereins, der Deutschen Presse-Agentur. Der Aufnahmestopp sei von vornherein als vorübergehende Maßnahme geplant gewesen.

Die Essener Tafel nimmt seit dem 10. Januar keine Ausländer mehr als Neuempfänger an. Die Entscheidung hatte eine bundesweite Debatte über Armut und Gerechtigkeit ausgelöst. Dass sie die Lebensmittelausgabe nun wohl wieder für alle öffnen will, hänge mit einem nachlassenden Andrang zusammen. "Die Zahlen haben sich ins Gleichgewicht bewegt. Sie werden zum Ende des Monats ein für uns akzeptables Verhältnis haben", sagte Sartor.

Für Kinder im Vorschulalter überweisen die Behörden 2,77 Euro

Die Tafel sah sich nach dem Aufnahmestopp heftigen Attacken ausgesetzt. Neben der Frage, ob deutsche Staatsbürger bei der Essensausgabe bevorzugt werden dürften, ging es auch um das Thema Armut im Allgemeinen. Mehrere Sozial- und Flüchtlingsverbände warfen dem Staat vor, bei der Armutsbekämpfung versagt zu haben. "Lebensmittelspenden sind gut, aber keiner soll in unserem Sozialstaat darauf angewiesen sein", sagte etwa Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands

Alleinstehende Hartz-IV-Empfänger erhalten derzeit 4,77 Euro pro Tag für Essen und alkoholfreie Getränke. Für Kinder im Vorschulalter überweisen die Behörden 2,77 Euro. Aus Sicht der Sozialverbände reicht das bei Weitem nicht, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.

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