Sonthofen Krankenpfleger vergiftete 29 Menschen

Bisher hatte der "Todespfleger von Sonthofen" 16 Tötungen zugegeben. Nach der Exhumierung von weiteren Leichen nimmt der Fall nun noch schlimmere Ausmaße an.

Dem 24-jährigen Krankenpfleger aus Sonthofen wird in einem neuen Haftbefehl die Tötung von 29 Patienten vorgeworfen.

42 Leichen wurden exhumiert - 13 Mal hat sich der schreckliche Verdacht bestätigt.

(Foto: Foto: dpa)

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kempten handle es sich in sechs Fällen um Mord, in 22 Fällen um Totschlag und um eine Tötung auf Verlangen.

Zusätzlich werden dem Pfleger eine versuchte Tötung und eine gefährliche Körperverletzung angelastet.

Der Betroffene hat sich zu den neuen Vorwürfen nicht geäußert.

Der Fall war im Sommer vorigen Jahres aufgedeckt worden, als das Personal im Krankenhaus von Sonthofen den Diebstahl von Medikamenten angezeigt hatte.

Der in Verdacht geratene Krankenpfleger hatte nach seiner Verhaftung sofort ein Geständnis abgelegt. In seiner Oberallgäuer Wohnung waren leere Ampullen gefunden worden, deren Inhalt für die Tötung von mehr als 16 Menschen ausgereicht hätte.

Der Pfleger hatte erklärt, sich nur an 16 Opfer namentlich erinnern zu können, aber nicht ausgeschlossen, dass er noch mehr Patienten eine tödliche Spritze gesetzt haben könnte.

Daraufhin hatten die Ermittlungsbehörden alle nicht feuerbestattete Patienten des Sonthofener Krankenhauses, die während der Dienstzeit des Pflegers in Abwesenheit von Angehörigen oder sonstigen Zeugen gestorben waren, exhumieren und auf Rückstände der tödlichen Injektionen untersuchen lassen.

Diese Analysen zogen sich über Monate hin, weil der Nachweis der Substanzen so lange nach dem Tod der Opfer nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufwendig und für die Gerichtsmediziner wissenschaftliches Neuland war.