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Sommerloch 2002:Ein Tag in Gummistiefeln

Das Hochwasser an der Elbe ist vermutlich wahlentscheidend. Verteidigungsminister "Bin Baden" Rudolf Scharping muss gehen. Und dann taucht auch noch Nessie in ihrem schottischen See auf. Ein Jahr des Wassers, könnte man meinen.

Christina Maria Berr

Es war der Tag in den Gummistiefeln, der im Sommer 2002 Bundeskanzler Gerhard Schröder gerettet hat. Starke Regenfälle hatten verheerende Überschwemmungen ausgelöst. Die Elbe und etliche weitere Flüsse waren über die Ufer getreten. Man sprach vom Jahrtausendhochwasser. Etliche Innenstädte wie Grimma und Dresden wurden überschwemmt. Häuser standen unter Wasser, etliche Menschen verloren Hab und Gut. Der Gesamtschaden in Deutschland lag bei 15 Milliarden Euro.

Ortsterin in Gummistiefeln: Schröder und Milbradt während der Flut

(Foto: Foto:)

Dann, am 14. August , kam Bundeskanzler Gerhard Schröder und stand mit schwarzen Gummistiefeln und dunkelgrüner Regenjacke in Grimma mitten im Schlamm. Neben ihm der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt.

Das Bild ging durch die Medien - und am 22. Oktober wurde Schröder als Bundeskanzler wiedergewählt. Edmund Stoiber war beim Hochwasser zunächst in Bayern geblieben. Er hatte die Schäden in Passau begutachtet - auch die Donau hatte schlimme Schäden angerichtet. Erst zwei Tage später stapfte er ebenfalls in schwarzen Gummistiefeln durch die zerstörten Straßen Dresdens. Zwei Tage, die die Wahl entschieden? Vielleicht, so sagte Stoiber später einmal, habe er das Hochwasser unterschätzt.

Scharping fliegt raus

Doch vor der Endphase des Wahlkampfs kümmerte sich Schröder noch um Rudolf Scharping - und warf ihn aus dem Kabinett. Der Verteidigungsminister war nämlich wegen fragwürdiger Honorarzahlungen von der PR-Agentur Moritz Hunzinger ins Gerede gekommen.

Bereits im Sommer(loch) 2001 hatte Scharping immer wieder von sich reden gemacht - zum Beispiel mit Fotos von Wasserspielen im Pool eines Luxushotels auf Mallorca mit seiner neuen Freundin, Kristina Gräfin Pilati.

Umweltminister Jürgen Trittin kümmerte sich derweil um das heimische Dosenpfand. Er sprach von einer "Verdosung unserer Getränke", die man verhindern müsse. Und ließ sich medienträchtig abbilden, vor Bierflaschen oder auch vor einer Sammelstelle für Dosen.

So verhinderten die deutschen Medien und die Politiker, dass ein wirkliches Sommerloch aufkam. Dann traten auch noch Gerhard Schröder und sein Gegenkandidat, der CSU-Chef Edmund Stoiber, zweimal im direkten TV-Duell gegeneinander an: Ende August und Anfang September.

Verbrannte adelige Haut

Stoiber vermachte nach einem Duell seine Krawatte dem Haus der Geschichte, Schröder soll seinen Schlips lieber wieder mitgenommen haben. Nach den Duellen wurde viel diskutiert, wem das Ganze nun genützt habe. Immerhin, ein Auftritt im Januar 2002 hatte Schlimmes vermuten lassen.

Damals hatte Stoiber bei einem Besuch in der Talkshow von Sabine Christiansen fürchterlich gestammelt. Daran gemessen, wirkte der Kanzlerkandidat vergleichsweise eloquent und Schröder hatte sich wohl anstrengen müssen. Und dann war auch schon die Wahl und das Sommerloch war nun wirklich vorbei.

Wie gut, war es da, dass sich just in diesem Sommer ein vertrautes Ungeheuer wieder aus dem Wasser wagte: Nessie kam und ließ sich fotografieren. Die Daily Mail druckte das Foto und fragte: "Ist sie auf Diät?"

Und dann war da noch Mette-Marit. Der Prinzessin aus Oslo machten die deutschen Medien arg zu schaffen. Erst kam ein Fernsehteam aus Deutschland und dann konnte sie wegen des Besuchs nicht mehr selbst nach Deutschland reisen. Der Grund: Ein Mix aus Sonne und Scheinwerfern hatte ihr zugesetzt, die starken Scheinwerfer hatten schließlich ihre Haut verbrannt. Peinlich für den Privatsender n-tv. Für Mette-Marit eher ein Plus in puncto Tapferkeit.

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