bedeckt München 25°

Sommer in Deutschland:Badeinsel der Seligen

Die Deutschen jammern gerne übers Wetter. Der Juni war noch zu nass, jetzt ist's zu heiß. Dabei würde ein kühlendes Bad doch helfen. Oder?

Glosse von Moritz Geier

"Alles, was wir denken, ist entweder Zuneigung oder Abneigung", hat Robert Musil geschrieben, aber wenn es um die Deutschen und das Wetter geht, müsste man den guten Musil sicherlich verbessern: Gutes Wetter kennt der gemeine Deutsche ja kaum, auch in diesem Sommer ist das mal wieder so: Im Juni war es ihm noch zu wechselhaft, zu kühl, zu gewittrig. Jetzt ist es ihm schon wieder zu heiß. "Alles, was wir denken, ist Abneigung", muss es selbstverständlich richtigerweise heißen.

Im südbadischen Rheinfelden war es am Freitag jedenfalls ganz klar viel zu warm, dort wurden schon am Mittag 35,5 Grad gemessen: bundesweit der höchste Wert um diese Zeit, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Am Nachmittag sollten die Werte noch steigen, bis zu 38 Grad erwarteten die Experten.

Schlechte Nachrichten also auch hier: Die Volksweisheit "Mittags ist es am heißesten" ist eine Mär, ausgerechnet am Feierabend erwischt es den Deutschen nämlich mit voller Wucht. Die Temperatur sei an einem Hochsommertag "erst zwischen 16 und 17 Uhr am höchsten", sagt Andreas Friedrich vom DWD. Dann geben auch der aufgewärmte Boden, Straßen und Dächer zusätzliche Hitze ab.

Kälte ist bei Hitze auch nicht das Wahre

Weniger abgeneigt wäre der deutsche Wetterleidende bei diesen Temperaturen dem kalten Bad im Fluss, der kalten Dusche, dem kalten Erfrischungsgetränk. Aber hier rücken Gesundheitsexperten die alten Verhältnisse zurecht, plädieren unverhohlen für die gute alte Abneigung: Die Kälte belaste schließlich den Körper, der dann viel Energie aufbringen müsse, um die Temperaturen zu regulieren. Hach, schönes Wetter ist einfach kein schönes Wetter.

Und nun zu den weiteren Aussichten: Für Samstag erwarten die Meteorologen noch einmal schwülheiße 31 bis 36 Grad.

© SZ/nas

SZ Plus
Corona-Ausbruch
:Das Virus am See

"Wolfgangsee, Hochsaison, Corona, diese drei Wörter in Kombination, das hat einfach zu gut gepasst": Ein Besuch in der berühmten Urlaubsregion, die seit Tagen mit den Folgen des jüngsten Ausbruchs kämpft.

Von Oliver Klasen

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite