SZ-Kolumne "Bester Dinge":Dekadente Deko

Mander Auctions:
Lot 345 - A pair of 19th century carved stone sphinx
(Foto: Mander Auctions)

Jahrelang verwittern zwei kleine Skulpturen im Garten einer Familie in England. Dann stellen sie sich als wertvolle altägyptische Artefakte heraus. Daraus sollte man natürlich seine Lehren ziehen.

Von Kerstin Lottritz

Hier ein Sofakissen im marokkanischen Stil, dort ein paar Teelichter um eine Keramikvase arrangiert, fertig ist das gemütliche Zuhause. Dem Anspruch an Ästhetik sind beim Dekorieren kaum Grenzen gesetzt. Nur so lässt sich die Daseinsberechtigung etwa der asiatischen, aus billigem Plastik produzierten Winkekatze erklären. Meistens goldfarben lackiert, wiegt sie ihre von einem Luftzug angestoßene Pfote unermüdlich hin und her. Der Glücksbringer aus Japan sendet zweifelsfrei eine gut gemeinte Botschaft: Das stete Winken soll Glück und Wohlstand in die Wohnung holen, doch fängt die Figur - so wie fast alle Deko-Artikel - eher Staub ein.

Ein bisschen Wohlstand hat eine Dekoration nun aber tatsächlich einer Familie aus Sudbury im Osten Englands eingebracht. Vor 15 Jahren hatte man ein paar Hundert Pfund für ägyptisch anmutende Figuren gezahlt und seitdem die Terrasse damit geschmückt. Wegen eines Umzugs wollten die Besitzer die verwitterten Plastiken dann an andere Deko-Liebhaber loswerden.

Doch noch vor der Versteigerung stellte das Auktionshaus fest, dass es sich bei den beiden Skulpturen um etwa 5000 Jahre alte altägyptische Artefakte handelte. Am Ende war die Familie nicht nur völlig überrascht darüber, mit was für einem Schatz sie da ihren Garten verziert hatte, sondern auch noch um 195 000 Pfund (umgerechnet 230 000 Euro) reicher. Ein prüfender Blick auf die Winkekatze im eigenen Wohnzimmer könnte sich also lohnen. Wer weiß schon, ob sich am Ende das billige Plastik nicht doch als pures Gold herausstellt.

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