Skandale in der Landwirtschaft Die Verantwortung der Verbraucher

Vor kurzem hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gemeinsam mit der Agrarlobby dafür eingesetzt, an diesem ungerechten Fördermechanismus möglichst nichts zu ändern. Mittlerweile hat man im Brüssel aber umgedacht. Von 2013 an will die EU-Kommission den Weg hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft einschlagen. Bei der Reform der Agrarpolitik sollte sich daher auch Ministerin Aigner dafür einsetzen, dass jene Bauern mit Fördergeld belohnt werden, die umweltfreundlich arbeiten.

Zwar ist eine kleinteiligere, ökologischere Landwirtschaft kein Allheilmittel für Lebensmittelskandale aller Art. Dioxine wurden in der Vergangenheit auch schon in Bio-Eiern gefunden. Auch wird die Heilung der Landwirtschaft von ihrer Sucht nach ständiger Ertragssteigerung schmerzhafte Änderungen in der Struktur der Höfe nötig machen. Doch statt Lebensgrundlagen zu zerstören, erhöht eine ökologischere Landwirtschaft die Fruchtbarkeit der Böden, bindet Treibhausgase, bewahrt die Kulturlandschaft - und ist Studien zufolge auch dazu fähig, den steigenden Nahrungsbedarf der Menschen zu decken.

Vorteile, die man schmecken kann

Anders als bei Massenbetrieben schaffen regional ausgerichtete Strukturen Arbeitsplätze auf dem Land. Und wenn Tiere wieder vermehrt dort gehalten werden, wo ihr Futter wächst, sind die Bauern auch weniger davon abhängig, Futtermittel zuzukaufen. Damit steigt die Qualität der Nahrungsmittel - ein Vorteil, den man auch schmecken kann.

Doch nicht nur Politiker und Bauern müssen umdenken, auch die Verbraucher sind betroffen. In kaum einem anderen europäischen Land ist den Menschen ihr Essen so wenig wert wie in Deutschland. Das Preisniveau von Lebensmitteln ist so niedrig, dass die Landwirtschaft sogar als Inflationsbremse wirkt. Das ist beschämend - und eine Voraussetzung dafür, dass sich viele Landwirte dazu gezwungen sehen, immer billiger zu produzieren.

Da ist es scheinheilig, die fatalen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft auf die Umwelt so lange zu verdrängen, bis sie durch einen Lebensmittelskandal direkt den Menschen betreffen. Und es reicht nicht aus, reflexartig nach schärferen Kontrollen zu rufen, wenn es bereits zu spät ist. Vielmehr sollten sich auch die Verbraucher fragen, welchen Beitrag sie leisten werden, um die Landwirtschaft von ihrer Krankheit zu heilen.