Skandal um Leichenschauhaus des US-Militärs:9/11-Opfer auf Müllkippe entsorgt

Enthüllung aus dem Pentagon: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die sterblichen Überreste einiger Opfer auf einer Mülldeponie gelandet. Im Zentrum des Skandals steht eine Leichenhalle des US-Militärs auf der Dover Air Force Base im Bundesstaat Delaware.

Auch ohne die jüngsten Skandale wäre die Dover Air Force Base ein trauriger Ort. Auf dem Militärstützpunkt in Delaware, knapp 300 Kilometer südwestlich von New York, befindet sich das größte Leichenschauhaus der US-Armee: Hierher werden die sterblichen Überreste von im Auslandseinsatz gefallenen Soldaten gebracht, um anschließend den Familien zugeführt zu werden. Im vergangenen Dezember war jedoch bekanntgeworden, dass dort über Jahre systematisch sterbliche Überreste gefallener US-Soldaten eingeäschert und dann auf einer Müllhalde im US-Bundesstaat Virginia entsorgt worden waren.

Jeremy S. Lasher

Auf der Dover Air Force Base im US-Bundesstaat Delaware befindet sich das größte Leichenschauhaus des US-Militärs: Hierher werden die sterblichen Überreste im Auslandseinsatz gefallener Soldaten gebracht.

(Foto: AP)

Als berge die fragwürdige Praxis an sich nicht schon genug politische Sprengkraft, wurde nun bekannt, dass offenbar auch mit sterblichen Überresten von 9/11-Opfern auf diese Weise verfahren wurde. Das geht aus einem neuen Untersuchungsbericht des US-Verteidigungsministeriums zu den Vorgängen auf dem Militärstützpunkt hervor.

Vermischt mit medizinischen Abfällen

Es habe sich um nicht mehr zuordenbare sterbliche Überreste von Menschen gehandelt, die bei dem Anschlag auf das Pentagon in Washington ums Leben kamen oder mit dem entführten Flugzeug in Shanksville, Pennsylvania abgestürzt waren, heißt es darin. Die Teile seien so klein oder so verbrannt gewesen, dass sie "nicht getestet oder identifiziert werden konnten". Die eingeäscherten Überreste seien einem privaten Vertragsnehmer übergeben worden, der sie mit verbrannten medizinischen Abfällen vermischt auf die Deponie gebracht habe.

Der für die Opfer des Flugzeugabsturzes in Pennsylvania zuständige Gerichtsmediziner widersprach den Darstellungen jedoch. Die Washington Post zitiert den Pathologen Wallace Miller mit der Aussage, es seien niemals Leichenteile aus Shanksville nach Dover geschickt oder auf der Müllhalde entsorgt worden. Alle nicht identifizierten sterblichen Überreste seien anlässlich des zehnten Jahrestages der Terroranschläge im vergangenen September in drei Särgen an der Gedenkstätte des Absturzes beigesetzt worden.

Insgesamt sollen die sterblichen Überreste von etwa 270 Militärs auf der Müllkippe entsorgt worden sein. 2008 änderte die US-Armee diese Praxis, seither werden die Überreste der Soldaten auf See bestattet.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/jobr/leja
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB