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Skandal in Frankreich:Höllenfahrt eines Star-Polizisten

Er diente als Vorbild für einen Polizisten in einem Gangsterfilm, wurde für seine Ermittlungserfolge mit der Mitgliedschaft in der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet: Doch nun steht der Kriminaldirektor Michel Neyret in Verdacht, die Seiten gewechselt zu haben.

Manchmal spielt das Leben Kino, zum Beispiel im Fall des Kriminaldirektors Michel Neyret. Der 55 Jahre alte Vizechef der Kripo von Lyon dient als Vorbild für einen Polizisten in dem Gangsterfilm Les Lyonnais, der im November in die französischen Kinos kommt. Neyret eignet sich wirklich gut für eine Heldenrolle. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat er Banditen gejagt und dabei spektakuläre Erfolge erzielt.

File photo of Michel Neyret

Er diente als Vorbild für einen Polizisten in einem Gangsterfilm - doch nun steht Michel Neyret, der Vizechef der Kripo von Lyon, selbst im Verdacht, kriminell geworden zu sein.

(Foto: Reuters)

Nur das bislang letzte Kapitel in der Karriere Neyrets scheint nicht zu diesem Leben zu passen. Vor einigen Tagen rückten Polizisten um sechs Uhr früh vor dem Haus des Kripo-Direktors an und nahmen ihn fest. Die Vorwürfe: Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Vereinigung, Drogenhandel, Korruption. Diese Woche wurde der Verdächtige in Untersuchungshaft gesteckt. Die Höllenfahrt des Star-Polizisten hat begonnen.

"Trauma für die nationale Polizei"

Dies ist ein Schock für die ganze Kriminalpolizei", sagt der Chef der französischen Kripo, Christian Lothion. Neyret sei "nicht mehr mein Freund und nicht mehr Polizist". Innenminister Claude Guéant bezeichnet die Affäre als "Trauma für die nationale Polizei".

Das Entsetzen ist so groß, weil Neyret als "super flic" galt, als schneidiger Ausnahmepolizist, ja als Legende, wie Kollegen schwärmen. Mit Künstlerfrisur und Dreitagebart, schicken Sakkos, weit offenem Hemd und Goldkettchen am Handgelenk wirkte Neyret wie ein Dandy. Die Franzosen konnten ihn bewundern, wenn er im Fernsehen seine Schläge gegen die Rauschgiftmafia erklärte. Zuletzt widmete ihm der Sender M6 einen Beitrag, um den Kampf gegen das Banditentum zu illustrieren. Und nun soll Neyret selbst zum Ganoven geworden sein?

Schlimmer noch: Auch gegen weitere hohe Beamte aus Lyon und Grenoble wird ermittelt. Sie sollen Neyret bei seinen Fehltritten gefolgt sein. Eine Sondereinheit der Polizei kam den Machenschaften auf die Spur, als sie eine Drogenbande abhörte. Wie weit sich der Skandal ausbreitet, ist nicht abzusehen. Neyret beteuert seine Unschuld, räumt aber "einige Unvorsichtigkeiten" ein.

Was aus den Ermittlungen durchsickert, scheint schwerer zu wiegen. Demnach steht der Kripo-Direktor im Verdacht, er habe sich von zwielichtigen Typen eine goldene Uhr und teure Reisen spendieren lassen. Auch habe er sich von einem Ganoven Luxusautos wie einen Ferrari geliehen, mit denen er die Côte d'Azur entlang brauste. Vor allem aber soll er beschlagnahmte Drogen abgezweigt und an Kriminelle weitergegeben haben. Die Frage ist nun: Tat er das, um Informanten zu entlohnen, oder, um sich selbst Geld und andere Vorteile zu verschaffen?