Das kleine Städtchen Sinzig mit seinen gut 17 000 Einwohnern ist ein beschaulicher Ort. In der Altstadt stehen Fachwerkhäuser, in den Gassen und auf den Plätzen ist Kopfsteinpflaster verlegt. Man kann sich setzen, etwas trinken, sich entspannen. Eine rheinland-pfälzische Kleinstadt eben, im Kreis Ahrweiler in der Nähe der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen.
Doch an diesem Freitag herrscht hier Ausnahmezustand. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz und hat die Innenstadt weiträumig abgesperrt. Ein Hubschrauber kreist am Himmel. Der Grund: offenbar eine Geiselnahme in einer Volksbankfiliale. Gegen neun Uhr morgens wird die Polizei informiert. Was folgt, ist ein stundenlanger Einsatz, der am Ende für die mutmaßlichen Geiseln wohl gut ausgeht.
Um 14.43 Uhr teilt die Polizei mit, dass Spezialkräfte das Gebäude betreten und durchsucht hätten. Zwei Personen seien unverletzt aus einem verschlossenen Raum befreit worden. Ob die Tat mit den aktuellen Erkenntnissen noch als Geiselnahme bezeichnet werden kann, muss laut Polizei noch geklärt werden.
Die große Frage ist: Wo sind die Täter?
Doch es bleibt eine große Frage: Wo sind die Täter? Offenbar haben sie die mutmaßlichen Geiseln im Tresorraum eingeschlossen und sich direkt danach vom Tatort entfernt, teilt die Polizei mit. Auf welchem Wege, das wissen die Ermittler bislang wohl nicht. Eine Fahndung laufe. Seit Stunden hatten zahlreiche Einsatzkräfte das Gebäude umstellt. Die Polizei gehe nicht davon aus, dass von dem oder den Tätern derzeit eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeht, sagte ein Sprecher der SZ am Nachmittag. Eine hundertprozentige Garantie aber gebe es nicht.
Die Polizei geht derzeit von einem Täter aus. Er soll etwa 1,80 Meter groß und mit einem weißen Overall bekleidet gewesen sein. Ob der Verdächtige Mittäter hatte, ist bislang nicht klar. Gegen neun Uhr soll er den Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens abgepasst und ihm ein Behältnis mit Bargeld entwendet haben. Um wie viel Geld es sich handelt, konnte die Polizei bisher nicht präzisieren. Anschließend soll der Täter zwei Personen in einem separaten Raum in der Volksbank eingeschlossen haben. Unter den mutmaßlichen Geiseln waren laut Polizei keine Kunden der Bank, aber der Mitarbeiter des Transportunternehmens. Dazu, ob die Einsatzkräfte mit dem Täter und den Geiseln in Kontakt waren, äußerte sich die Polizei nicht.

Die Lage sei statisch, hatte die Polizei über Stunden mitgeteilt. „Für Bürgerinnen und Bürger, die sich außerhalb der Absperrung befinden, besteht zum derzeitigen Stand keine Gefahr“, hieß es in einer Mitteilung. Personen, die innerhalb der Absperrung wohnten, sollten aber die Häuser und Wohnungen nicht verlassen.
Generell hält sich die Polizei an diesem Tag mit Informationen für die Medien zurück, geht nicht mit allen Details an die Öffentlichkeit. Das habe taktische Gründe, sagte ein Sprecher der SZ am Mittag. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch an der Geiselnahme beteiligte Personen die Nachrichten verfolgen.

