JahreswechselMindestens fünf Tote durch Zünden von Böllern

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Polizisten im Einsatz in Leipzig.
Polizisten im Einsatz in Leipzig. Sebastian Willnow/dpa

Trotz einiger Angriffe auf Einsatzkräfte spricht die Polizei von einem verhältnismäßig entspannten Jahreswechsel – auch in Berlin, wo allerdings fast 400 Menschen festgenommen werden. Dort richten zwei sogenannte Kugelbomben offenbar schwere Schäden an.

Der Jahreswechsel ist in Deutschland nach ersten Meldungen der Polizei ohne größere Randale und Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Auch in Berlin, wo ein Großaufgebot an Sicherheits- und Rettungskräften im Einsatz war, blieb es verhältnismäßig ruhig. Allerdings starben in mehreren Bundesländern mindestens fünf Menschen beim Zünden von Böllern, viele weitere wurden verletzt. Es gab abermals Angriffe auf Einsatzkräfte.

In Nordrhein-Westfalen starb am Rande des Ortes Geseke ein 24-Jähriger bei der Explosion eines Böllers. Geprüft werde, ob es sich bei dem Feuerwerkskörper um illegale Pyrotechnik gehandelt habe, sagte eine Polizeisprecherin. „Es sieht zumindest nicht so aus, als sei es ein handelsübliches Feuerwerk gewesen.“ In Oschatz östlich von Leipzig kam nach Behördenangaben ein 45-Jähriger ums Leben, in Hartha in der Nähe von Chemnitz – ebenfalls in Sachsen – wurde ein 50-Jähriger tödlich verletzt. Beide hantierten mit Feuerwerk, als dieses explodierte. In Hamburg-Ochsenwerder starb ein 20-Jähriger durch die Explosion eines selbstgebauten Böllers. Ein weiterer Mensch wurde in der Nacht im Landkreis Oberhavel im Norden von Brandenburg tödlich verletzt.

In Berlin schützen Polizisten Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen

In Berlin seien mindestens 390 Menschen festgenommen worden, teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mit. Nach einer vorläufigen Bilanz seien 15 Polizisten und eine Einsatzkraft der Feuerwehr verletzt worden. Nach Angaben der Polizei wurde ein Beamter vermutlich von einem illegalen Feuerwerkskörper getroffen und am Bein operiert. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr und Rettungskräfte seien beschossen worden.

Trotzdem zeigte sich die Berliner Polizei mit dem Verlauf der Silvesternacht bisher recht zufrieden. Die geplanten Konzepte, insbesondere die Böllerverbotszonen, hätten gegriffen. Es habe keine größeren Gewalttätigkeiten gegeben und es habe sich ausgezahlt, dass Polizisten Feuerwehrleute bei Einsätzen geschützt hätten, sagte ein Polizeisprecher. Bei den meisten Festnahmen in Berlin sei es um Verstöße gegen das Sprengstoff- oder Waffengesetz  gegangen.

In der Hauptstadt war die Polizei mit 3000 zusätzlichen Beamten in die Nacht gegangen. Sie definierte drei Brennpunktbereiche, wo aufgrund der Erfahrungen mit Exzessen und Straftaten zu rechnen ist. Dort sollten Rettungskräfte von Polizisten begleitet werden. Zudem wurde wie im Vorjahr Feuerwerk an manchen Stellen verboten.

Vermutlich durch eine sogenannte Kugelbombe wurden im Stadtteil Schöneberg zahlreiche Häuserfassaden schwer beschädigt, Fenster gingen massenhaft zu Bruch. 36 Wohnungen seien vorerst unbewohnbar und zwei Menschen in Krankenhäuser gebracht worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Er sprach von einem „Schlachtfeld“, das der wohl nicht zugelassene Sprengkörper hinterlassen habe. Eine solche Kugelbombe explodierte laut Feuerwehr auch im Stadtteil Tegel, hier inmitten einer Menschenmenge. Acht Menschen wurden nach Angaben des Sprechers verletzt, darunter zwei lebensbedrohlich. Unter den beiden Schwerstverletzten sei auch ein Kleinkind.

Ausgerechnet am Silvesterabend fiel in weiten Teilen Berlins das Wasser aus. Grund war ein massiver Rohrbruch im Stadtteil Wedding, mehr dazu lesen Sie hier. Zeitweilig war in der Hauptstadt auch der Notruf der Feuerwehr nur eingeschränkt verfügbar, dort kam es teils zu längeren Wartezeiten.

In München, Leipzig, Köln und Hamburg werden Einsatzkräfte attackiert

Zwischenfälle gab es auch andernorts: In Leipzig griffen etwa 50 Menschen Polizisten mit Feuerwerk und Flaschen an. In Köln wurden nach Angaben der dortigen Polizei zwei Beamte durch Böller verletzt. Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr seien mit Feuerwerkskörpern beschossen worden. Etwas Ähnliches passierte auch in Hamburg. In München randalierten laut Polizei mehrere Hundert Menschen und griffen mit brennenden Gegenständen und Feuerwerkskörpern Beamte an. Eine Sprecherin sprach von schätzungsweise 200 bis 300 Personen aus dem linken Spektrum auf der Wittelsbacherbrücke. Man habe die Lage „mit starken Kräften“ in den Griff bekommen.

Am Hauptbahnhof von Bonn schossen Jugendliche laut Polizei mit einer Silvesterrakete gezielt auf einen schlafenden Obdachlosen – und sollen die Attacke mit einem Handy gefilmt haben. Der Mann habe einen Schock erlitten, teilte die Polizei mit. Drei der vier Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren seien nach einer Auswertung der Überwachungskameras erkannt und gestellt worden. Sie müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

In Regensburg wurden bei einem Brand vier Menschen leicht verletzt; zudem entstand ein geschätzter Schaden von etwa 200 000 Euro, wie die Polizei mitteilte. Dort brannte zunächst ein Mülltonnenhaus, vermutlich wegen fahrlässiger Brandstiftung. Das Feuer sprang dann auf das angrenzende Wohnhaus über. Bewohner aus drei Wohnungen wurden laut Polizei in Sicherheit gebracht.

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