Sicherheit So will Köln die Sicherheit an Silvester garantieren

Das Areal um den Kölner Dom soll mit Drängelgittern abgesperrt werden. An den Einlasspunkten sollen Sicherheitskräfte kontrollieren, dass keine Feuerwerkskörper in diesen Bereich gebracht werden.

(Foto: SZ-Grafik)

Feuerwerk ist verboten, mehr als 1000 Polizisten zeigen Präsenz - und vielleicht gibt es Champagner: Köln will verhindern, dass sich Übergriffe wie im vergangenen Jahr wiederholen.

Von Oliver Klasen und Bernd Dörries, Köln

Wenn es nach Stefan Bachmann geht, dann ist auch Champagner Teil der Lösung. Champagner, serviert an Ständen auf der Domplatte, das glaubt der Intendant des Schauspiels Köln, wäre ein Akt der Sicherheit. Und es könnte vielleicht verhindern, dass sich in der Silvesternacht jene Szenen wiederholen, deretwegen Köln Anfang dieses Jahres weltweit in den Schlagzeilen war.

Bachmanns Idee: "Das Gürzenichorchester, der Opernchor und ein paar Solisten stellen sich auf die Treppe vom Bahnhofsplatz und spielen von 23.30 Uhr bis 0.30 Uhr. Das Zeichen gegen die Entgleisungen des letzten Jahres ist einfach, dass man den Ort vornehm definiert", sagte er dem Kölner Stadtanzeiger.

Ein Kulturprogramm rund um den Dom, also dort, wo zum vergangenen Jahreswechsel Hunderte Frauen von großen Gruppen meist nordafrikanischer Täter bedrängt, bestohlen und begrapscht wurden - das können sich auch zwar auch Stadtverwaltung und Polizei vorstellen. Doch weil sich die hässlichen Bilder aus Köln damals in der ganzen Welt verbreiteten, reicht ihnen das nicht.

Verantwortlich für die Sicherheit in Köln: Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Jürgen Mathies.

(Foto: dpa)

"Die Polizei trägt eine Bürde und eine ganz besondere Verantwortung", sagt Jürgen Mathies, der Polizeipräsident. Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Stadtdirektor Guido Kahlen hat er an diesem Donnerstag das Sicherheitskonzept für die kommende Silvesternacht vorgestellt. Monatelang haben die Verantwortlichen daran gearbeitet. Alle Pläne sind einem einzigen Ziel untergeordnet: Was sich in der Nacht auf den 1. Januar 2016 in Köln ereignet hat, darf sich unter keinen Umständen wiederholen.

"Unser Köln wird eine sichere Stadt sein. Niemand soll sich hier mit einem unguten Gefühl bewegen", sagt Reker. Deshalb setzen Polizei und Stadtverwaltung vor allem auf traditionelle Sicherheitsmaßnahmen. Im Kern heißt das: Mehr Polizei, mehr Überwachung, mehr Kontrollen, Absperrungen an kritischen Punkten und ein schnelles Einschreiten gegen kriminelle Übergriffe. Zu einer Hochsicherheitszone soll die Kölner Innenstadt dennoch nicht werden. "Es wird darum gehen, einen Spagat zwischen fröhlichem Feiern und einem Auftritt der Polizei zu meistern, der als nicht zu martialisch wahrgenommen wird", sagt Polizeipräsident Mathies. Allerdings werde es in der Innenstadt wohl kaum eine Zone geben, in denen Passanten keinem Polizisten begegnen.

Im Einzelnen sieht das neue Sicherheitskonzept vor:

  • Personelle Verstärkung: Insgesamt sollen mehr als 1000 Polizisten im Einsatz sein, darunter sechs Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren rund um den Kölner Hauptbahnhof lediglich 140 Beamte im Einsatz. Zu den Polizisten hinzukommen sollen dieses Mal etwa 200 Sicherheitskräfte vom Ordnungsamt der Stadt und 300 extra engagierte Kräfte von privaten Sicherheitsfirmen.
  • Schutzzone rund um den Dom: Das Areal um das Kölner Wahrzeichen soll weiträumig abgesperrt werden. Hereingelassen wird nur, wer vorher kontrolliert wurde. Dazu sollen etwa 15 Einlasspunkte geschaffen werden, an denen Sicherheitskräfte postiert werden. Feuerwerkskörper sind in der Schutzzone verboten. Alkohol ist zwar grundsätzlich erlaubt, stark alkoholisierten Personen soll jedoch der Zutritt verweigert werden. Die Absperrung erfolgt mit etwa 1,10 Meter hohen Drängelgittern, wie sie zum Beispiel auf großen Festivals eingesetzt werden. Bei besonders großem Andrang soll es offenbar auch möglich sein, die Gitter in zwei Reihen aufzustellen. Innerhalb und um diese Zone sind daneben zusätzliche Überwachungskameras und mobile Scheinwerfer geplant, um dunkle Ecken besser auszuleuchten.
  • Sperrung der Hohenzollernbrücke: Sie verbindet das Domareal mit dem Stadtteil Deutz auf der rechten Rheinseite und ist sowohl eine Eisenbahn- als auch eine Fußgängerbrücke. Im vergangenen Jahr war es dort zu panikartigen Szenen und auch zu zahlreichen Übergriffen gekommen. Deshalb wird die Brücke in diesem Jahr für Fußgänger und Radfahrer komplett gesperrt. Auch die Treppen des Rheinboulevards auf der Deutzer Seite, ein beliebter Treffpunkt, wo sich bei gutem Wetter viele Menschen versammeln, sollen abgeriegelt werden.
  • Zugverkehr: Nach Mitternacht sollen alle Züge vom und aus dem Kölner Hauptbahnhof gebündelt werden. Alle Züge in Richtung Norden sollen dann von einem Gleis aus verkehren. Alle Züge Richtung Süden von einem anderen Gleis. So wollen die Sicherheitskräfte Massenwanderungen im Hauptbahnhof verhindern, falls ein Zug ausfällt oder sich verspätet.

Am 11. November, wenn Köln in die Karnevalssaison startet, wird das neue Konzept einer Art Generalprobe unterzogen und danach möglicherweise noch einmal angepasst. Oberbürgermeister Reker ist zuverversichtlich. Man wisse, dass in der kommenden Silvesternacht die ganze Welt auf die Bilder warte, die aus Köln um die Welt gehen. "Und es werden gute Bilder."