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Sexuelle Übergriffe:Von Jill Harth bis Temple Taggart McDowell

8. Jill Harth

Wann es passiert sein soll: 1993

Öffentlich gemacht: April 2016

Was sie zu sagen hatte: Harth und ihr damaliger Freund haben mit Trump in den 90er Jahren Geschäfte gemacht. Unter anderem haben sie zusammen an dem Projekt "American Dream Calendar Girls" gearbeitet - ein Erotik-Kalender, für den unter hohem PR-Aufwand Frauen in einem Wettbewerb ausgewählt wurden. Die Zusammenarbeit endete in einem Rechtsstreit. Nach Gerichtsdokumenten, die der Boston Globe veröffentlicht hatte, beschuldigte Harth ihren Ex-Geschäftspartner Trump in dem Verfahren, sie mehrfach sexuell belästigt zu haben. Er soll sie etwa während eines Geschäftsessens unter dem Tisch befummelt und auch sonst immer wieder anzügliche Andeutungen gemacht haben.

Was Trump dazu sagt: Von der New York Times im Mai 2016 darauf angesprochen sagte er, es sei Harth gewesen, die hinter ihm her gewesen sei.

Zeugen: Harths damaliger Freund und späterer Ehemann George Houraney, von dem sie inzwischen geschieden ist. Er hat Harths Berichte bis ins Detail gegenüber Reportern bestätigt.

Was seitdem passiert ist: Harth macht ihrem Ärger immer wieder Luft. Zuletzt twitterte sie im Oktober: "Mein täglicher Schmerz ist, dass der Bastard Trump Präsident ist". Niemand verstehe das, bis es ihm nicht selbst passiere.

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9. Cathy Heller

Wann es passiert sein soll: Muttertag, wahrscheinlich 11. Mai 1997.

Öffentlich gemacht: 15. Oktober 2016

Was sie zu sagen hatte: Heller, 63, war damals mit ihrem Mann, ihren Kindern und anderen Verwandten zum Muttertags-Brunch in Trumps Golf-Hotel Mar a Lago in Florida, berichtete sie dem Guardian. Trump habe damals seine Runde gemacht und sei an jeden Tisch gekommen, auch an ihren. Sie stand auf, um ihm die Hand zu geben. Er griff danach, ließ nicht los und versuchte, sie auf die Lippen zu küssen. Sie habe sich zurückgelehnt und beinahe das Gleichgewicht verloren, erinnert sie sich. Trump sagte nur: "Oh, come on, stellen Sie sich nicht so an." Er griff erneut nach ihr, zog sie an sich und wollte sie wieder auf den Mund küssen. Sie wandte ihren Kopf zur Seite, er erwischte ihren Mund nur am Rande. Dann ging er davon.

Was Trump dazu sagt: Ein Sprecher von Trump sagte dazu, das könne schon deshalb nicht wahr sein, weil die Geschichte in Palm Beach für jahrzehntelangen Gesprächsstoff gesorgt hätte.

Zeugen: Lloyd Heller, ihr Ehemann. Ihm sagte seine Frau, er hätte Trump ins Gesicht schlagen sollen. Eine weitere Verwandte, die allerdings anonym bleiben will, erklärte, Trump sei äußert aufdringlich und energisch gewesen.

Was seitdem passiert ist: Heller sagte dem Guardian zuletzt im Oktober, sie sei froh, die Geschichte öffentlich gemacht zu haben. Und das inzwischen so viele Frauen in die Öffentlichkeit gegangen seien.

10. Juliet Huddy

Wann es passiert sein soll: 2007 oder etwas früher

Öffentlich gemacht: 8. Dezember 2017

Was sie zu sagen hatte: Die frühere Fox News-Reporterin Juliet Huddy sagte in einer New Yorker Radio-Show, Trump habe sie nach einem Mittags-Termin im Aufzug des Trump-Towers zum Abschied auf die Lippen geküsst. Sie sei schockiert gewesen, habe sich aber nicht bedroht gefühlt. Jahre später sei Trump Gast einer Fernsehshow gewesen, deren Gastgeberin sie war. Trump hat dem Publikum stolz erzählt, dass er einmal "hinter ihr her gewesen" sei, sie habe ihm aber einen Korb gegeben".

Zeugen: Keine.

Was Trump dazu sagt: Das Weiße Haus wies die Geschichte zurück.

Was seitdem passiert ist: Huddy hat danach die Medien als "unverantwortlich und inkompetent" kritisiert, weil sie die Geschichte aufgebauscht hätten.

11. Samantha Holvey

Wann es passiert sein soll: 2006

Öffentlich gemacht: 14. Oktober 2017

Was sie zu sagen hatte: Holvey sagte dem Nachrichtensender CNN, sie sei 2006 Teilnehmerin des "Miss USA"-Wettbewerbes gewesen. Trump habe vor dem Wettbewerb jede Frau einzeln "inspiziert". Er sei jeder Frau gegenübergetreten und habe sie "von Kopf bis Fuß angesehen als wären wir Fleisch, nur Sexualobjekte und keine menschlichen Wesen". Es sei gewesen, als wenn ein "ekliger Kerl in einer Bar eine Frau mustert". - "In meinem ganzen Leben habe ich mich nicht so beschmutzt gefühlt."

Was Trump dazu sagt: Trump ließ die spezifische Situation nicht dementieren, verneinte aber, unangemeldet die Umkleideräume solcher Wettbewerbe zu betreten.

Zeugen: Das Weiße Haus hat erst kürzlich auf Nachfrage behauptet, es gebe viele Zeugen, die gerade jene Geschichten wiederlegten, die sich in Umkleidekabinen von Schönheitswettbewerben zugetragen haben sollen. Im Fall von Samantha Holvey hat es zwei Zeugen präsentiert. Zum einen eine gewisse Katie Blair. Es stellte sich aber später heraus, dass Blair an einem völlig anderen Wettbewerb teilgenommen hat. Nämlich am "Miss Teen USA"-Wettbewerb im August 2006 in Palm Springs. Der "Miss USA"-Wettbewerb von Holvey wurde dagegen schon im April 2006 in Baltimore abgehalten. Die andere Zeugin heißt Melissa Young. Da stimmt der Wettbewerb - aber nicht das Jahr. Young war bei "Miss USA" 2005 dabei. Holvey 2006.

Was seitdem passiert ist: Holvey hat ihre Geschichte zuletzt in der NBC-Sendung "Today" erzählen können. Am meisten wehgetan habe ihr, sagt sie da, wie viele Leute gesagt hätten, "Ach, interessiert mich nicht", und dann Trump gewählt hätten.

12. Ninni Laaksonen

Wann es passiert sein soll: 2006

Öffentlich gemacht: 27. Oktober 2016

Was sie zu sagen hatte: Laaksonen, eine frühere "Miss Finnland", hat der finnischen Zeitung Ilta Sanomat gesagt, Trump habe sie angegrapscht, als sie wegen der "Miss Universe"-Entscheidung in New York war. Sie war mit Trump und zwei weiteren Mitbewerberinnen zur Late Night Show von David Letterman eingeladen. Kurz vor dem Auftritt hätte Trump sie wie aus dem Nichts in den Hintern gekniffen. "Er hat mir tatsächlich an meinen Hintern gepackt. Ich glaube nicht, dass es jemand gesehen hat, aber ich habe das Gesicht verzogen und gedacht: 'Was passiert hier gerade?'"

Was Trump dazu sagt: Trump ließ die spezifische Situation nicht dementieren, verneinte aber, unangemeldet die Umkleideräume solcher Wettbewerbe zu betreten.

Zeugen: Keine.

Was seitdem passiert ist: Laaksonen hat das Thema seit der Wahl von Trump nicht mehr erwähnt.

13. Jessica Leeds

Wann es passiert sein soll: In den frühen 80er Jahren

Öffentlich gemacht: 12. Oktober 2016

Was sie zu sagen hatte: Leeds, heute 74 Jahre alt, war damals als allein reisende Geschäftsfrau aus Connecticut auf einem Flug zurück nach New York. Während des Fluges kam eine Stewardess auf sie zu und fragte, ob sie in der ersten Klasse Platz nehmen wolle. Sie habe natürlich ja gesagt, sagte sie jetzt in der NBC-Fernsehsendung Today. Sie wurde neben einem Herrn platziert, den sie nicht weiter kannte, der sich aber als Donald Trump vorstellte. Nach einem kurzen Geplänkel habe er sich auf sie geworfen, sie begrapscht und geküsst. "Er war wie ein Oktopus", sagte sie der New York Times. "Seine Hände waren überall." Sie sei völlig perplex gewesen. Als er anfing unter ihre Bluse zu greifen, habe sie ihn abschütteln können und sich wieder an ihren Platz zurückgesetzt. Einige Jahre später sei sie ihm auf einem Empfang wieder begegnet. Er habe sie sofort erkannt. Er habe sie mit dem für sie schlimmsten aller Schimpfwörter belegt, das Frauen zugerufen werden könne. Sie sei doch die "cunt" aus dem Flugzeug. "Cunt" ist etwa gleichbedeutend mit dem deutschen Wort "Fotze".

Was Trump dazu sagt: Er hat die Geschichte vehement abgestritten. In der New York Times wird Trump mit den Worten zitiert: "Glauben Sie mir, sie wäre nicht meine erste Wahl." Einer seiner Anwälte verlangte von der Times, die Story zurückzuziehen und drohte mit Klage. Zu beidem ist es nicht gekommen.

Zeugen: Leeds hatte die Geschichte Monate bevor die New York Times darüber berichtet hat Freunden und Bekannten erzählt, die dies der Times auch bestätigt haben. Das Weiße Haus hält erneut mit einem angeblichen "Augenzeugen" dagegen. Einen Namen nannte es nicht. Es dürfte sich aber vermutlich um Anthony Gilberthorpe handeln, der nach der Veröffentlichung der Geschichte 2016 aufgetaucht ist und sich in der New York Post als Augenzeuge präsentiert hat. Gilberthorpe behauptet, er habe - damals etwa 18 Jahre alt - ebenfalls in der ersten Klasse dieses Fluges gesessen. Angeblich sei es Leeds gewesen, die mit Trump geflirtet habe. Als Trump kurz zur Board-Toilette ging, habe Leeds - damals in ihren Dreißigern - ihm (dem unbekannten 18-jährigen Fremden) offenbart, sie wolle Trump heiraten. Gilberthorpe ist inzwischen als notorischer Lügner entlarvt. Unter anderem erzählte er Ende der 80er seiner britischen Heimatzeitung, er sei mit einer kalifornischen Modedesignerin verlobt - die es nie gab. Und er war 2014 Quelle hinter einer der abenteuerlichsten Geschichten des britischen Boulevardblattes Sunday Mirror, derzufolge drei ehemalige und längst verstorbene Minister von Margaret Thatcher einen Pädeophilenring betrieben haben sollen - Beweise konnte Gilberthorpe nie liefern.

Was seitdem passiert ist: Im Zuge der Weinstein-Affäre hat sich Leeds im Oktober in der Washington Post geäußert: "Es ist schwer miteinander zu vereinbaren, dass Harvey Weinstein mit seinen Geschichten zu Fall gebracht werden konnte, aber Trump einfach weiter Teflon Don bleibt."

14. Temple Taggart McDowell

Wann es passiert sein soll: 1997

Öffentlich gemacht: Mai 2016

Was sie zu sagen hatte: Taggart McDowell, sagte der New York Times, sie sei in dem Jahr zur "Miss Utah" gekürt worden, als Trump gerade die "Miss USA"-Wahlen übernommen hat. Als sie einander vorgestellt wurden, habe er sie ohne zu zögern geküsst. Und zwar "direkt auf die Lippen". Sie habe da gedacht: "'Oh mein Gott, das ist widerlich.' Er war ja zu der Zeit mit Marla Maples verheiratet. Und ich dachte, 'Wow, das geht zu weit.'"

Was Trump dazu sagt: Trump sagte dem Sender NBC danach, er wisse nicht, wer Temple Taggart McDowell sei und verneinte, sie jemals belästigt zu haben. Es gibt allerdings Bilder, auf denen beide nebeneinander stehen.

Zeugen: Unbekannt

Was seitdem passiert ist: Im vergangenen November sagte Taggart der New York Times sie hätte Trumps Werdegang seit der Wahl mit Unglauben, Ärger und Angst vor einer Vergeltung beobachtet, während Trump sie und die anderen Frauen immer wieder als Lügnerinnen hingestellt hat, und ihnen gedroht habe, sie zu verklagen.