SZ-Kolumne "Bester Dinge":Empowerment für Vierjährige

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(Foto: imago (2); Collage: SZ)

Ein neues österreichisches Kinderbuch räumt mit "toxischen Männlichkeitsbildern" auf. Das wurde ja auch mal Zeit.

Von Martin Zips

Das Schöne am Journalistenberuf ist ja, dass man immer wieder auf Probleme aufmerksam gemacht wird, von denen man noch gar nichts wusste. "Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Penis und Hoden kaum in Kinderbüchern besprochen werden?", war jetzt in einer Pressemitteilung zu lesen, die zur Besprechung eines neuen Kinderbuches aufrief. Es gehe um einen Jungen, der "hoch hinaus" will, mit seiner "Rakete". Auf seiner Erkundungstour erfahre er nicht nur einiges über "Penis, Hodensack und Erektion", sondern auch über "Empowerment". "Gesellschaftliche Stereotype" und "toxische Männlichkeitsbilder" würden in diesem Buch, es ist für Vierjährige gedacht, "aus dem Weg" geräumt. Autorin des Werkes ist eine Frau, die "sexuelle Bildung" an österreichischen Universitäten lehrt.

Tatsächlich, mit diesen Themen kann man gar nicht früh genug anfangen! Nur: Wo bleiben Kinderbücher, die junge Leserinnen und Leser auch auf Themen wie Midlife-Crisis, Inkontinenz, Demenz oder Altersdepression vorbereiten? Sollte man damit nicht auch ganz früh beginnen?

"In der Jugend lernt, im Alter versteht man", wusste schon Marie von Ebner-Eschenbach, und so war's natürlich ein Fehler, dass zuletzt immer nur Kinderbücher auf den Markt geworfen wurden, in denen es um bayerische Kobolde mit Schiffsschaukel, Schwedinnen in bunten Häusern oder fliegende Zauberschüler in Großbritannien ging. Völlig unberücksichtigt blieben dabei das sexuelle Selbstverständnis von Schreinermeistern, die Diversität von Totenkopfäffchen sowie der folgenschwere Machismus unter Magiern.

Gut, dass das nun anders wird.

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