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Sex-Vorwürfe gegen Al Gore:Eine unbequeme Lüge?

Der "Special Report" der Polizei in Portland umfasst 73 Seiten - und belastet Al Gore schwer: Angeblich wollte der frühere US-Vizepräsident eine Masseurin zum Sex zwingen. Dass der Skandal gerade jetzt hochkocht, ist aber wohl kein Zufall.

Der Kunde war unzufrieden. Denn die teure Masseurin, die er sich spätabends auf seine Hotelsuite in der neunten Etage hatte kommen lassen, mochte partout nicht tun, was er wollte. Also, so erinnert sich die Physiotherapeutin, habe sie ihren Klienten gebeten, "mir genau zu zeigen, wo er massiert werden will."

Al Gore

Der frühere US-Vize-Präsident Al Gore wird schwer belastet. Doch was ist dran an den Vorwürfen gegen ihn? 

(Foto: ap)

Da sei's passiert: Der Kerl habe ihre rechte Hand ergriffen, unters Handtuch geschoben und ihre Finger über Schamhaare und Penis geführt. Schockiert sei sie gewesen, "wie bei einem Tanz auf der Schneide einer Rasierklinge" habe sie sich gefühlt. Schließlich sei der Mann, der sie da am 24. Oktober 2006 kurz vor Mitternacht habe sexuell nötigen wollen, nicht irgendwer - sondern eben Al Gore, Amerikas früherer Vizepräsident, Klima-Guru und Friedensnobelpreisträger.

Der Fall war schon ad acta gelegt

Sehr ausführlich und voll drastischer Details liest sich, was die 54 Jahre alte, namentlich bislang unbekannte Masseurin bei der Polizei von Portland im US-Bundesstaat Oregon zu Protokoll gegeben hat. Der "Special Report" zu Fall Nummer 07-9568 umfasst 73 Seiten, dazu gibt es eine DVD von der Vernehmung.

Und auf Seite 1 firmiert als Verdächtiger "Gore, Albert Arnold 'Al', Adresse unbekannt, ehemaliger Vizepräsident". Das Dossier galt als ad acta gelegt aus Mangel an Beweisen. Doch in der Nacht zum Freitag hat die Polizei den Fall neu eröffnet.

Al Gore bestreitet alles, ganz "energisch und unmissverständlich". Das, so betont eine Sprecherin des Politikers, habe er schon vor drei Jahren getan, als "diese Verleumdung" zum ersten Mal auftauchte. Damals hatte die Masseurin noch gezaudert.

Erst Wochen nach dem Vorfall meldete sie sich bei der Polizei - um dann drei Vorladungen zum Gespräch zu ignorieren. Sie habe, so erklärt die Frau, damals Angst gehabt: vor dem Medienrummel, vor Gore und auch vor ihren linken Freunden, die sie gewarnt hätten, mit Rücksicht auf Gores gerechten Kampf für das Weltklima lieber zu schweigen.

Das lange Vernehmungsprotokoll, das jetzt im Internet steht, entstand erst im Januar 2009. Da liebäugelte die Anklagende und einzige Zeugin mit der Idee, ihren Fall doch der Presse zuzustecken. Es dauerte nochmals 15 Monate, ehe der notorisch unseriöse National Enquirer die Story enthüllte. Das Blatt schwört, es habe das von der Masseurin geforderte Info-Honorar in Höhe von einer Million Dollar nicht gezahlt.

Er gilt als Biedermann

Dass der Skandal gerade jetzt neu hochkocht, ist wohl kaum Zufall. Gore ist im Gespräch: Erst Anfang Juni hatten der Ex-Vizepräsident und seine getreue Frau Tipper alle Welt mit der Nachricht überrascht, sie würden sich - streng einvernehmlich - scheiden lassen.

Viele Amerikaner blicken erstaunt auf einen Mann, der ihnen bislang als Biedermann galt - und der, jedenfalls laut Zeugenaussage im Polizeiprotokoll, eine Frau unsittlich begrabschte, in die Ecke des Badezimmers drängte, aufs Hotelbett warf und sich überhaupt "wie ein verrückter Sex-Pudel" aufführte.

Wie die Polizei einen Fall klären will, bei dem Aussage gegen Aussage steht, weiß in Portland niemand. Aber möglich ist, dass Gore bald nach Oregon reisen muss. Zum Ortstermin im neunten Stock.