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Sexszenen im Film:Choreografinnen für den nackten Auftritt

Keira Knightley Characters: Elizabeth Swann Film: Pirates Of The Caribbean: The Curse Of The Black Pearl (USA 2003) Dire

Keira Knightley in "Fluch der Karibik". In ihrer Rolle der Elizabeth Swann verführt sie erst Orlando Bloom und später Johnny Depp.

(Foto: Mary Evans/Imago Images)

Keira Knightley will keine Sexszenen mehr drehen, zumindest dann nicht, wenn Männer hinter der Kamera stehen. Zwar haben sich seit der "Me Too"-Debatte die Rahmenbedingungen schon geändert. Aber das reicht noch nicht.

Von Susan Vahabzadeh

Es gibt Schauspielerinnen, deren Ruhm auf einem Auftritt beruht, der besonders sexy war - Sharon Stone beispielsweise startete durch, weil sie bei einem Verhör in "Basic Instinct" keine Unterwäsche trug; und Angelina Jolie saß in "Hackers" fast oben ohne am Computer. Bei Keira Knightley verhält es sich anders: Sie wurde mit "Kick it Like Beckham" (2002) bekannt, und da spielte sie Fußball. Das Image der zarten Nymphe kam erst später dazu. Und jetzt, sagt sie, ist damit Schluss.

Knightley hat in einem Podcast, für den sie sich mit der Regisseurin Lulu Wang unterhielt, angekündigt, sich nicht mehr "dem männlichen Blick" auszusetzen - keine Sexszenen mehr. Sie habe zwei Kinder bekommen und sei für weitere Nacktauftritte "zu eitel", entsprechende Klauseln enthielten ihre Verträge bereits: "Ich möchte nicht mehr nackt vor einer Gruppe von Männern stehen." Sie würde aber Ausnahmen machen: "Würde ich eine Geschichte erzählen, die damit zu tun hat, was Mutterschaft bedeutet und wie man sich mit seinem Körper abfindet, würde ich sagen: Tut mir leid, aber es muss von einer Filmemacherin inszeniert werden. Das ist jetzt kein Tabu für mich geworden, mit Männern hinter der Kamera aber schon."

Wer eine Rolle zu vergeben hat, bei der es so nicht geht, sagt Knightley, solle halt jemand anderes engagieren. Nur ist die 35-jährige Britin spätestens seit ihrer Rolle der Elizabeth Swann in den "Fluch der Karibik"-Filmen eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen des 21. Jahrhunderts und kann sich aussuchen, in welchen Filmen sie mitspielt und zu welchen Bedingungen. Was aber ist mit den Schauspielerinnen, die das nicht können?

Neuer Beruf: Intimitätskoordinatorin

Dass Frauen sich selten wohlfühlen, wenn sie nackt vor der Kamera stehen, wurde im Rahmen der "Me Too"-Debatte heftig diskutiert, und tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen für Nacktauftritte und Sexszenen in der amerikanischen Filmbranche danach verändert. Keira Knightleys Lösung, Nackt- oder Sexszenen nur noch mit Filmemacherinnen zu drehen, wäre natürlich nicht praktikabel. Aber in den USA ist in der Folge ein neuer Beruf entstanden: die Intimitätskoordinatorin. Die US-amerikanische Schauspielergilde (SAG) hat im vergangenen Jahr Regeln veröffentlicht, nach denen solche Koordinatorinnen sicherstellen sollen, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler sich beim Dreh möglichst wohlfühlen und später im Schnitt keine Aufnahmen verwendet werden, die sie als verletzend empfinden.

Im europäischen Kino sind Nacktszenen weiter verbreitet als im US-amerikanischen. Der Bundesverband Schauspiel und Pro Quote Film würden gern eine Verpflichtung durchsetzen, spezielle Koordinatoren für solche Szenen bei deutschen Produktionen einzusetzen. In Deutschland arbeitet Julia Effertz schon als Intimitätskoordinatorin, sie hat bei der britischen Vorreiterin Ita O'Brien gelernt, die sich schon vor Jahren auf die Unterstützung bei heiklen Szenen spezialisiert hat. Abwegig ist eine solche Spezialisierung nicht - schließlich gibt es bei jedem größeren Dreh nicht nur Stuntmen, sondern auch Fachleute, die sich um gefährliche Aufnahmen kümmern. Und keiner käme auf die Idee, einen Tanzfilm zu drehen, ohne einen Choreografen zurate zu ziehen.

© SZ/lot
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