Sex-Skandal des Secret Service weitet sich aus:US-Agenten feierten auch in San Salvador mit Prostituierten

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Schon der zweite "Einzelfall": Secret-Service-Mitarbeiter haben sich wohl nicht nur in einem kolumbianischen Bordell vergnügt. Die Behörde prüft Berichte, wonach Agenten im März 2011 in San Salvador feierten und Prostituierte mit ins Hotel nahmen. Es soll kurz vor dem Staatsbesuch von Präsident Obama geschehen sein.

Matthias Kolb, Washington

Die Erinnerung an jenen Abend im März 2011 ist noch frisch. Er wisse genau, berichtet der Besitzer des Lokals dem Sender Kiro-TV, dass eine größere Gruppe von Secret-Service-Mitarbeitern und Militärangehörigen seinen Stripclub besucht habe - wenige Tage vor dem Staatsbesuch von US-Präsident Barack Obama in El Salvador.

Der in Seattle ansässige Sender Kiro-TV zitiert einen Subunternehmer, der eng mit dem Voraustrupp des Secret Service zusammenarbeitete und ebenfalls in dem Strip-Club war. Die Amerikaner hätten damit angegeben, dass sie für Barack Obama arbeiten würden. Im VIP-Bereich hätten sie ordentlich gebechert und auch "sexuelle Gefälligkeiten" in Anspruch genommen. Mehrere Agenten seien mit Stripperinnen in ihr Hotel gefahren und hätten die Warnungen des Subunternehmers ignoriert: "Sie sagten, ich solle mir keine Sorgen machen, denn sie würden so etwas ständig tun."

Der Bericht des Kiro-TV-Reporters Chris Halsne aus dem mittelamerikanischen Land, in dem Prostitution legal ist, bringt den elitären Personenschutz des US-Präsidenten in Erklärungsnot. Die Abgeordnete Sheila Jackson Lee, die Mitglied im Heimatschutzausschuss ist, fordert eine Stellungnahme von Secret-Service-Chef Mark Sullivan. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass ein Voraustrupp des Secret Service Prostituierte in ein Hotel im kolumbianischen Cartagena gebracht hatte, wo die Männer zur Vorbereitung der Teilnahme Obamas am Amerika-Gipfel Mitte April weilten. Neun Agenten haben deswegen ihre Posten verloren, doch der Secret Service beteuert, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe und ermittelt lediglich intern.

Bei einer Anhörung vor dem Kongress hatte Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Dienstag erklärt, sie und Obama hätten "volles Vertrauen" in Secret-Service-Chef Mark Sullivan, die Affäre aufzuklären. "Wir werden jeden Stein umdrehen", sagte Napolitano, deren Ministerium der Secret Service untersteht. Sie nannte die Vorwürfe "unentschuldbar".

Für Barack Obama kommen die neuen Berichte zur Unzeit. Der US-Präsident hatte bereits mitteilen lassen, er sei wegen des Vorfalls "böse". Bei seinem Auftritt in der Late-Night Show von Jimmy Fallon versicherte er, vollstes Vertrauen in seine Leibwächter zu haben, die im Ernstfall ihr Leben für seines riskieren würden. Die Agenten, die in Kolumbien Streit mit einer Prostituierten gehabt hätten, seien "Schwachköpfe", doch die anderen arbeiteten tadellos: "Diese Kerle sind unglaublich. Sie beschützen mich. Sie beschützen unsere Mädchen."

Die Enthüllungen über das Fehlverhalten der Agenten folgen auf die Nachricht, dass ausgerechnet die für Sparanstrengungen zuständige Dienstleistungsbehörde GSA 600.000 Dollar für eine fünftägige Konferenz in Las Vegas verprasst hatte. Für konservative Kommentatoren wie Sean Hannity von Fox News zeigen die Vorfälle, dass die Regierung nicht in der Lage sei, ihre Angestellten zu kontrollieren und diese das Steuergeld der hart arbeitenden Amerikaner mit beiden Händen zum Fenster herauswerfen würden. Die Botschaft an die Zuschauer ist klar: Seht her, was im System des big government von Barack Obama möglich ist.

Zweifel an der Einzelfall-These hat auch die Washington Post genährt: Sie berichtet, dass sich am Rande eines Besuchs von Ex-Präsident Bill Clinton in Buenos Aires dessen Personenschützer ebenfalls in Strip-Clubs vergnügt hätten. Ein anonymer Agent wird mit den Worten zitiert: "Es ist unvermeidlich, dass schlimme Dinge passieren, wenn sich ein paar Kerle im Ausland befinden und von vielen Frauen umgeben sind, die sie mit Aufmerksamkeit überschütten."

Ein Vorfall mit einer Prostituierten in Brasilien rückt auch die US-Armee in ein schlechtes Licht. US-Verteidigungsminister Leon Panetta musste einräumen, dass drei Marineinfanteristen sowie ein Mitarbeiter des Außenministeriums wegen eines Kontaktes zu einer Prostituierten bestraft worden seien. Das Verhalten der Gruppe sei "nicht akzeptabel" gewesen, sagte er.

Die Männer sollen eine Prostituierte in ihr Auto genommen, sie aber in einem Streit über die Bezahlung wieder aus dem Fahrzeug geworfen haben. Diese Darstellung dementiert das Außenministerium in Washington. Unstrittig ist, dass die Frau einen Schlüsselbeinbruch erlitten hat und dass die US-Botschaft nach Angaben aus US-Regierungskreisen anschließend die Behandlungskosten gezahlt hat. Nach der Enthüllung der Affäre in Kolumbien habe sich die Prostituierte einen Anwalt genommen und versuche nun, die Botschaft zu verklagen.

(Mit Material von AFP)

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