Seltener Wein im Bremer Ratskeller Unmoralisches 150.000-Euro-Angebot aus China

Hütet den 360 Jahre alten Wein wie einen Schatz: Der Bremer Kellermeister Karl-Josef Krötz.

Ein chinesischer Milliardär bietet dem Bremer Ratskeller 150.000 Euro für eine Flasche Wein aus dem Jahr 1653. Jetzt ist die hochverschuldete Stadt in der Bredouille. Das Weinfass, um das es geht, ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Und: Wer ist dieser illustre Käufer überhaupt?

Von Martin Zips

Dieses Angebot versetzt die Freie Hansestadt Bremen in Aufregung. Nach einem Besuch im örtlichen Ratskeller im vergangenen Herbst ließ der chinesische Milliardär Huang Nubo ausrichten, er interessiere sich brennend für eine Flasche Rüdesheimer aus dem Jahr 1653.

Nun muss man wissen, dass dieser älteste deutsche Fasswein so wertvoll ist, dass selbst Ratskellermeister Karl-Josef Krötz in den 25 Jahren seiner Bremer Weinkennerschaft nur ein einziges Mal davon probiert haben will - das sei im Jahr 1996 gewesen, als sich der britische Weinpapst Stuart Pigott in die Stadt verirrt habe. Vor ihm, im Jahr 1978, durfte auch Königin Elisabeth II. ein Gläschen probieren, das war es. Könnte noch sein, dass Kaiser Wilhelm, Theodor Fontane, Hugo von Hofmannsthal und Heinrich Heine bei ihren Besuchen im Ratskeller mal dran genippt haben. Recht viel dürften aber auch sie nicht getrunken haben.

Das 1000-Liter-Fass ist nämlich auch nach mehr als 360 Jahren noch so gut wie voll. 150.000 Euro bietet der chinesische Milliardär nun für eine Flasche - und wenn man die Abstimmung, die der Weser-Kurier gerade auf seiner Online-Seite veranstaltet, als Gradmesser nimmt, so sind fast 70 Prozent der Bremer für den Verkauf.

Mit 20 Milliarden Euro steht ihre Stadt derzeit in der Kreide - deutscher Negativrekord. Kellermeister Krötz hütet "in dieser heiklen Angelegenheit" deshalb derzeit nicht nur den Wein, sondern auch die Kontaktadresse zu Huang wie einen Schatz.

Weinkenner, KP-Mitglied und Schreiber erotischer Gedichte

Der Bürgermeister hat den Kellermeister, die Geschäftsleitung, den Landesdenkmalpfleger und den Wirtschaftssenator jetzt zu einer Sitzung eingeladen. Ein Senatssprecher sagt: "Der Handel mit Flaschenwein ist eine wichtige Aufgabe des Ratskellers. Die großen Fässer aber sind Teil des Bremer Unesco-Weltkulturerbes." Und ihr Inhalt? Das sei eine Frage, die der Landesdenkmalpfleger aktuell zu klären habe.

Doch wer ist dieser Chinese, der den Wein unbedingt kaufen möchte? Sein Hildesheimer Verleger Georg Olms nennt Huang Nubo eine "illustre Persönlichkeit". Der Milliardär kenne sich nicht nur mit Wein aus, sondern schreibe - unter dem Pseudonym Luo Ying - auch Gedichte. Zum Beispiel im etwas rätselhaften Band "Kakerlaken-Kunde", den Olms gerade auf Deutsch veröffentlichte.

Bei einem Besuch in der Trierer Liebfrauenkirche las Huang Nubo, der als KP-Mitglied und mit Immobiliengeschäften in seinem Land Karriere gemacht hat, einige Verse daraus vor. Ein Auszug: "Wäre ich in der Lage, mich aus freien Stücken in ein Holzscheit zu verwandeln, woraus ein Penis geschnitzt wird, der erigiert unter irgendjemandes Lampe einem dekorativen oder suggestiven Zweck dient, wäre ich womöglich fähig, das Eintreten aller nur denkbaren Situationen sexueller Liebe korrekt vorauszusagen."

Derzeit befindet sich Huang Nubo auf einer Reise zu den Stätten des Unesco-Weltkulturerbes. Weltweit gibt es fast 1000, die Huang in den kommenden zehn Jahren alle besuchen will. Er wird viel Zeit im Flugzeug verbringen müssen, denn zugleich möchte er die Arbeit in der Pekinger Zentrale seiner Zhongkun-Investment-Group nicht vernachlässigen. Der ferrarirote Kommunist ist umtriebig. Auch am Nordpol und am Mount Everest will er schon gewesen sein. "Im Sommer möchte er an einem deutsch-chinesischen Dichterwettbewerb teilnehmen", sagt sein Verleger Olms. "Auch ein Pferdetreffen von Scheich Mansour möchte er besuchen."