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Selbstzerstörung des spanischen Königshauses:Royal infernal

Spanien Juan Carlos Cristina

Spaniens König Juan Carlos mit seiner Tochter Prinzessin Cristina 2010 in Barcelona.

(Foto: AFP)

Die Prinzessin steht vor Gericht, das Königshaus demontiert sich selbst. Und der politisch mächtigste Monarch der Welt, der das Land einst in die Demokratie führte, scheint dagegen machtlos zu sein. Was ist nur mit Juan Carlos los?

Ein Kommentar von Sebastian Schoepp

Provinzpolitiker, die in Badehose mit Drogenhändlern posieren oder sich mit Anzügen bestechen lassen. Ein Regierungschef, der sich nur noch per Video vor die Presse traut. Und nun eine Königstochter vor Gericht. Die Spanier haben ihre politischen Institutionen satt. Und das in einem Moment, in dem das Land wirtschaftlich am Abgrund taumelt.

Das Königshaus ist die einzig mögliche moralische Autorität Spaniens - doch es demontiert sich selbst. Schlimmer noch als der Skandal um die dubiosen Geschäfte des Schwiegersohns ist die offensichtliche Handlungsunfähigkeit des Königs - immerhin der politisch mächtigste Monarch der Welt, der das Land in den 1970er- Jahren in einem Meisterwerk von Staatskunst in die Demokratie geführt hatte.

Was ist nur aus Juan Carlos geworden? Der Niedergang begann 2007 mit einem Ausbruch gegen Venezuelas Präsidenten Chávez ("Warum hältst du nicht den Mund?"), der zwar viele vergnügte, jedoch bereits eine gewisse Distanz zur Realität erkennen ließ.

Seitdem hat der 75-Jährige sich zur Witzfigur hinabgearbeitet: als elefantenjagender Don Juan, der anscheinend bei einer blonden deutschen Prinzessin Trost von seiner gestrengen Ehefrau sucht, aber kein Wort für seine Bürger in der Krise findet. Der Linkspolitiker und Republikaner Cayo Lara fasst es in Worte: Nie hat jemand so viel für die Abschaffung der Monarchie in Spanien getan, wie diese Monarchen.

© SZ vom 05.04.2013/feko/rus
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