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Sehnsucht nach Israel:Auslöser von "Pudding-Protesten" zieht aus Berlin weg

Sein Foto eines deutschen Kassenbons löste in Israel eine Debatte über Lebensmittelpreise aus. Naor Narkis forderte seine Landsleute auf, nach Berlin zu ziehen. Nun verlässt der Israeli die Hauptstadt selbst wieder: "Vieles in Berlin ist schwierig."

Selten hat ein Kassenzettel mehr Aufregung ausgelöst als das verknitterte Stück Papier, das der Israeli Naor Narkis im September auf Facebook postete. Die Einkäufe - darunter ein Liter Milch, zwei Tüten Orangensaft, zwei Packungen Nudeln, dreimal Pudding mit Sahnehaube - waren nicht weiter spannend. Die Preise dagegen sorgten für Empörung.

Narkis hatte den Zettel als Beitrag zur Facebook-Initiative "Olim le-Berlin" ("Wir wandern nach Berlin aus") gepostet. Die Initiatoren wollen die Israelis auf die hohen Lebenshaltungskosten in ihrem Land hinweisen - und sie zur Emigration nach Europa aufrufen, wo sie sich mit weniger Geld einen deutlich höheren Lebensstandard leisten könnten.

Die Initiative erzielte die gewünschte Wirkung: Narkis' Kassenzettel löste in Israel eine Debatte über die hohen Lebensmittelpreise aus. Besonders hitzig wurde der Schokopudding mit Sahnehaube diskutiert, der bei Aldi für gerade einmal 19 Cent zu haben ist - in Israel aber in der Regel mehr als 60 Cent kostet.

"Die Stadt wird niemals unser Zuhause sein"

"Hier muss ich nie abwägen, ob ich mir das Essen aus dem Supermarkt leisten kann", schrieb der junge Israeli unter seinen Beitrag und schloss mit den Worten: "Bis bald in Berlin!" In einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen sagte der 25-Jährige, dass er lieber in Tel Aviv als in Berlin leben würde, aber er sich das Leben dort nicht leisten könne.

Das scheint sich nun geändert zu haben. Narkis macht sich bald auf den Weg zurück in die Heimat: "Vieles in Berlin ist schwierig, die Stadt wird niemals unser Zuhause sein", sagte er in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Er vermisse seine Heimatstadt Tel Aviv.

Dass billiger Schokopudding allein nicht reicht, um Israel dauerhaft den Rücken zu kehren, soll der Debatte nicht abträglich sein. Obwohl er nun zurückkehre, sei sein Facebook-Aufruf ernst gemeint gewesen, betont Narkis - als Warnung an die israelische Regierung. Diese müsse etwas ändern, um die jungen Leute im Land zu halten.

Das hätten auch die zahlreichen Nachrichten in seinem Posteingang gezeigt, die ihn erreichten, nachdem er den Kassenzettel veröffentlicht hatte. Zahlreiche Landsleute. berichtet Narkis, hätten ihn über ihre Auswanderungspläne informiert. Darunter vor allem junge Familien, die sich das Leben in Israel tatsächlich nicht mehr leisten können.