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Scientology und Hollywood:Scientologen aus der Schauspielschule

Hubbards Filmprojekt scheiterte. Doch Katselas, Schauspiellehrer und selbst recht weit oben auf der Scientology-Erleuchtungsleiter, wurde zu einem der "wichtigsten Lieferanten neuer Scientology-Rekruten". Prominente Mitglieder wie Kelly Preston, Schauspielerin und Ehefrau von John Travolta, Nancy Cartwright (die Stimme von Bart Simpson) und "King of Queens"-Darstellerin Leah Remini soll Katselas zu Scientology gebracht haben.

Bisher haben sich prominente Mitglieder so heimlich von Scientology distanziert, wie sie sich der Kirche oft auch angenähert hatten. Doch nun verlassen erste berühmte Scientologen die Sekte mit einem Knall. Menschen, die lange Zeit glaubten, ihr Erfolg, ihr Ruhm hänge auch mit den Hubbard-Programmen zur Selbstoptimierung zusammen. Menschen wie Paul Haggis. Wie Jason Beghe, der 2007 als erster Prominenter öffentlich mit Scientology brach. Wie Leah Remini. Die Schauspielerin sorgte zuletzt für Aufsehen, als sie nach ihrem Austritt energisch Aufklärung über das Schicksal von Shelly Miscavige forderte. Die Frau von David Miscavige, der nach Hubbards Tod 1986 die Führung der Sekte übernahm, soll seit Jahren gegen ihren Willen festgehalten werden. Scientology hat dies immer wieder dementiert.

"Die Kirche hat immer Prominente als Megafon benutzt, um der Welt ihre Botschaft zu verkünden", sagt Wright. Aber jetzt, da Prominente die Sekte verlassen, hat sich das Megafon umgedreht." Doch nicht nur die Schauspieler, die sie verlassen, schaden der Organisation. Sondern auch manche, die bleiben. "Immer wenn jemand wie John Travolta einen Skandal hat, wird das mit der Kirche in Verbindung gebracht", sagt der New Yorker Journalist Tony Ortega am Telefon. Ortega berichtet seit fast 20 Jahren über Scientology. Täglich postet er Artikel und Dokumente auf seinem Blog. Er zweifelt nicht daran, dass sich Scientology "in der schwersten Krise ihrer Geschichte" befindet.

Psychische und körperliche Misshandlung

"All das findet vor dem Hintergrund eines Massenexodus statt. Seit zehn Jahren verlassen Langzeitmitglieder und Führungskräfte der höchsten Ebene die Kirche", sagt Ortega. Menschen wie Marty Rathbun, jahrelang Nummer zwei in der Hierarchie. Wie der frühere Sektensprecher Mike Rinder. Wie die hochrangige und hochgeschätzte Funktionärin Debbie Cook oder Jenna Miscavige Hill, die Nichte des Sektenchefs.

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Gleich zwei Oscars konnte der Drehbuchautor Paul Haggis 2006 für "Crash" mit nach Hause nehmen.

(Foto: AFP)

Nicht alle von ihnen zweifeln plötzlich an der Lehre, der sie so viele Jahre enthusiastisch angehangen haben. Doch alle zweifeln an David Miscavige. Autoritärer Führungsstil, drakonische Strafen bei Ungehorsam, massive psychische und körperliche Misshandlung. Die Liste der Vorwürfe, die ehemalige Mitglieder gegen den 53-Jährigen erheben - und die Scientology immer wieder zurückweist -, ist lang. Die aktuelle Krise der Organisation ist auch die Krise von Miscavige.

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