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Schwuler Schützenkönig: Zwei Männer auf einem Thron

Schwuler Schützenkönig

Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle, neues Königspaar der Bilker Schützen.

(Foto: dpa)

Schwule Schützenkönige sind nichts Neues, aber ein Prinzgemahl mit auf dem Thron? Ein homosexuelles Schützenpaar aus Düsseldorf testet die Toleranz der Verbandsoberen.

Auch Schwule dürfen Schützen sein, da gibt sich der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) tolerant. Und seit ein paar Jahren dürfen sie sogar Schützenkönig werden - solange sie es nicht wagen, ihren Lebenspartner mit auf den Thron zu nehmen. Eine Alibi-Königin musste her und der Ehemann durfte mit etwas Glück in zweiter Reihe hinterhergehen.

Doch darauf hatte Udo Figge aus Düsseldorf keine Lust. "Ich habe meinen Mann geheiratet, um solche schönen Momente mit ihm teilen zu können", sagte der Schützenkönig des Vereins Friedrichsstädter Reserve und bestieg gemeinsam mit seinem Mann Dirk Jehle den Thron der Bilker Schützen. Der SPD-Lokalpolitiker und sein Mann Dirk Jehle sind seit 1992 ein Paar und seit 2002 verheiratet.

Der katholische Dachverband ist nicht begeistert. "Es entspricht nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein besteht", sagte Rolf Nieborg, der Sprecher des BHDS. In einer offiziellen Stellungnahme hatte der Verband zwar erst vor einigen Wochen betont, Homosexuelle in den Bruderschaften hätten dieselben Mitgliedsrechte. Für ihre Partner gilt dies wohl nicht.

In den 1300 christlichen Schützenbruderschaften sind nach Angaben des Dachverbands rund 400 000 Menschen organisiert. Der Hauptvorstand will im November über eine eventuelle Öffnung beraten. Die scheint bitter nötig. Die Schützen machen immer wieder Schlagzeilen, weil sie Frauen, Homosexuelle oder Muslime nicht richtig mitmachen lassen - ein Überblick über frühere Kontroversen.

Schützen und Muslime

Mithat Gedik wird 2014 Schützenkönig im westfälischen Sönnern. Er ist sehr beliebt in der Ortschaft, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, verheiratet mit einer Katholikin, vier Kinder - und Moslem. Der Dachverband weigert sich zunächst, Gedik zu akzeptieren. Die Schützenbruderschaften seien nun einmal christliche Vereinigungen, so stehe es auch in der Satzung der St. Georg Bruderschaft von Sönnern. Das könne man nicht von heute auf morgen und nach Gutdünken ändern.

Schließlich finden Sönnern und der Dachverband zu einem Kompromiss. Gedik darf seine Königskette behalten und der BHDS beschließt "ausnahmsweise" keine Einwände zu erheben. An Turnieren der höheren Ebene darf der Schützenkönig Gedik jedoch nicht teilnehmen - die Schützen seien nun mal ein katholischer Verband.

Schützen und Schwule

2012 wird Dirk Winter Schützenkönig in Münster und wählt seinen Partner Oliver Hermsdorf als Königsgemahl. Nach der Debatte darüber beschließt der Verband: Homosexuelle Männer dürfen Schützenkönig werden, allerdings nicht ihren Partner als Prinz- oder Königsgemahl auswählen. Eine "Alibifrau" ist aber ebenfalls nicht (mehr) notwendig - damit hatten sich schwule Schützenkönige in der Vergangenheit häufig beholfen. "Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar", heißt es damals in einer Stellungnahme des BHDS.

Schützen und Frauen

Ob Frauen mitschießen dürfen oder nicht, verordnet der Verband nicht von oben. Es ist Sache des einzelnen Vereins, in der Satzung festzuschreiben, ob er für Frauen offen ist oder nicht. In den vergangenen Jahren öffneten sich immer mehr Schützenvereine für beide Geschlechter. Es gab zum Beispiel auch schon einmal eine Bezirkskönigin aus Hünsborn im Sauerland: Annette Hüttemann. Eine "viel bestaunte Einzelleistung", schrieb Der Westen.

In anderen Ortschaften haben sich extra Frauenschützenvereine gegründet, es gibt Frauenschützenfeste, Schützenköniginnen und natürlich eigene Regularien. Zum Beispiel in Brabecke, wo die Königin als Prinzregenten auf gar keinen Fall ihren Ehemann auswählen darf.

Ein Zwang zum Fremdgehen quasi und sicher nicht mit der Satzung des BHDS vereinbar. Aber in dem sind die Brabecker Schützinnen auch gar nicht Mitglied.

© SZ.de/mikö
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