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Schweiz:Ein ganzes Dorf zieht um

Schweizer Dorf soll geräumt werden

Mitholz im schweizerischen Kanton Bern: Sicht auf die Felsabrissstelle nach einer sich 1947 ereigneten Munitionsexplosion. Das Dorf muss umziehen, weil das alte Munitionslager in der Nähe explodieren könnte.

(Foto: Gaetan Bally/dpa)
  • In der Schweiz muss ein Dorf wegen eines gefährlichen Munitionslagers umziehen.
  • Die Menschen sollen für mehrere Jahre ihre Häuser verlassen.
  • Mit den Arbeiten wird aber vor 2031 voraussichtlich nicht begonnen.

Ein Schweizer Dorf muss samt und sonders umziehen, weil ein altes Munitionslager in der Nähe explodieren könnte. Das soll geräumt werden, aber die Behörden brauchen dazu zehn Jahre Vorarbeiten, wie es heißt. Die 170 Einwohner von Mitholz sollen deshalb erst 2031 ausziehen - für vermutlich mehr als zehn Jahre. Der Wegzug falle gerade älteren Mitbewohnern schwer, sagte der Bürgermeister Roman Lanz am Mittwoch der Agentur keystone-sda.

Vor allem wollten sie ihre oft seit Generationen bewohnten Häuser eines Tages ohne Wertverlust vererben können. Für den schon entstandenen Wertverlust sollen die Bewohner eine Entschädigung erhalten. Denkbar sei, dass jeweils Zeitfenster eingerichtet werden, in denen die Bewohner sich in der Abwesenheit um ihre Häuser und ihre Landwirtschaft kümmern können, sagte Lanz.

Mitholz liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Bern. Die Schweizer Armee hatte vor Jahrzehnten in der Nähe ein unterirdisches Munitionslager eingerichtet. Dort sollen Tausende Tonnen Munition liegen. 1947 kam es zu einer Serie von Explosionen, durch die neun Menschen ums Leben kamen. Die Zugänge wurden verschüttet. Die Armee geht davon aus, dass es zu chemischen Reaktionen und Selbstzündungen kam. Jahrzehntelang dachte die Armee, das Lager sei sicher. Bei einer Untersuchung 2018 kamen Experten aber zu dem Schluss, es müsse geräumt werden.

Ministerium bietet Unterstützung an

Als Verteidigungsministerin Viola Amherd vor Ort über die Pläne informierte, waren auch drei Mitholzer dabei, die die Explosion 1947 miterlebt hatten. Einer von ihnen meinte, damals sei viel schneller gearbeitet worden. Nur ein Jahr nach der Explosion hätten die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können.

Auf der Internetseite des Ministeriums heißt es immerhin, man werde "die betroffene Bevölkerung insbesondere bei der Vorbereitung des Wegzugs begleiten. Es wird Unterstützung anbieten, soweit dies die Betroffenen wünschen und benötigen, und dazu mit den einzelnen Personen und Familien das Gespräch suchen."

© SZ.de/dpa/jael/cat
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