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Schweizer Armee:"Ja, wir lassen ab Mitte April neue Unterwäsche für Soldatinnen testen"

Swiss President Sommaruga and German Chancellor Merkel review the troops at the Muenster square of the Swiss capital Bern

Es ist normalerweise eher ein seltenes Phänomen, das die Schweizer Armee Schlagzeilen macht. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2015, als Angela Merkel zu Besuch in Bern war.

(Foto: REUTERS)

Die halbe Welt interessiert sich plötzlich für die Armee in Bern, weil die Wäsche für die Soldatinnen nicht richtig sitzt. Was ist da los?

Von Isabel Pfaff

Die Schweiz kann auf viele Dinge stolz sein, auf ihre Streitkräfte ist sie es nicht immer: ob es nun die versehentliche Überschreitung der Grenze zu Liechtenstein mit 170 schwer bewaffneten Soldaten vor 14 Jahren war; die paar Kilogramm Sprengstoff, die plötzlich in einer Kaserne fehlten, oder im vergangenen Juli die verstolperte Teilnahme von vier Schweizer Soldaten an den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag - Peinlichkeiten und Skandale sind auch dieser Armee nicht fremd.

Jetzt ist es ein anderes Thema, das die Streitkräfte beschäftigt. Vor ein paar Tagen stand in Schweizer Zeitungen, aber auch bei BBC, Guardian und CNN, dass sie neue Unterwäsche für Frauen teste. Bislang, so hieß es entrüstet, hätten diese Männerunterwäsche tragen müssen.

Kaj-Gunnar Sievert, Sprecher von Armasuisse, dem Beschaffungsamt der Schweizer Armee, seufzt. "Ich habe mich die ganze Woche fast ausschließlich mit Unterwäsche beschäftigt", sagt er am Telefon, so einen Medienhype habe er bisher selten erlebt. Dabei handelt es sich bei dem eigentlichen Aufreger - der Behauptung mit den Männerunterhosen - um eine Falschmeldung. "Ja, wir lassen ab Mitte April neue Unterwäsche für Soldatinnen testen", bestätigt Sievert. "Frauen-Unterwäsche gibt es in der Armee aber schon seit Mitte der Nullerjahre." Vorher hätten alle Armeeangehörigen ihre Unterbekleidung selbst mitgebracht, auch die Männer. "Keine, wirklich keine Frau" sei je gezwungen worden, Männerunterhosen zu tragen.

"Es gab aber auch Männer, die mit ihren nicht zufrieden waren"

Also viel Lärm um nichts? Wohl nicht ganz. Tatsächlich sei die Passform der ersten Generation Frauen-Unterhosen "nicht immer ideal" gewesen, räumt der Armasuisse-Sprecher ein. "Es gab aber auch Männer, die mit ihren nicht zufrieden waren." Lieber als über Unterhosen würde Sievert deshalb über die brandneue Kampfbekleidung der Schweizer Streitkräfte sprechen, die sein Amt 2018 beantragt hat und die 2022 eingeführt werden soll. Dabei sei besonders auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen geachtet worden. Die einzelnen Bestandteile dieser neuen Uniform testet die Armee momentan laufend - und jetzt steht eben die Versuchsreihe für die Frauen-Unterwäsche an.

Dabei soll eine kleine Gruppe von Soldatinnen zwei "Funktionsunterwäscheteile" ausprobieren: eine kurze Unterhose für den Sommer (eng anliegend, olivgrün, ohne Beinchen) und eine lange Unterhose für den Winter ("ein ganz normaler Unterschlauch", sagt Kaj-Gunnar Sievert). BHs gehören dagegen nicht zur Kampfbekleidung. Diese würden weiterhin von zu Hause mitgebracht, sagt Sievert.

Ob die Armee mit dem Projekt Unterwäsche bei Frauen wirklich punkten kann, muss sich noch zeigen. Momentan liegt der Anteil von Soldatinnen in der Schweizer Armee bei 0,9 Prozent. Das Verteidigungsministerium will diese Quote unbedingt erhöhen. Neben der neuen Unterbekleidung kursieren noch andere Ideen, die dabei helfen sollen, etwa ein Anfang März eingereichter Vorstoß einer Parlamentarierin: Demnach solle die Regierung unbedingt prüfen, ob denn die "mausgraue Ausgangsuniform" der Soldatinnen und Soldaten noch zeitgemäß sei.

© SZ
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