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Schweiz:Eine App soll den Fortbestand der Schweizer Armee sichern

Erste Pilotin eines Kampfflugzeugs in der Schweiz

Lieber Zivildienst statt Militärdienst: Das denken sich viele junge Schweizer. Im Bild eine Ausnahme: Fanny Chollet ist die erste Pilotin eines Kampfflugzeugs in der Schweiz.

(Foto: dpa)
  • Eine App soll angehende Rekruten in der Schweiz körperlich und mental auf die militärische Grundausbildung vorbereiten.
  • Das Schweizer Bürgerheer stößt zunehmend an Grenzen: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Rekruten kontinuierlich gesunken.
  • Die App ähnelt einer herkömmlichen Fitness-App, ist aber speziell auf das Militär zugeschnitten.

Die Neutralität der Schweizer ist berühmt. Weniger bekannt ist das Wörtchen, das dieser Neutralität voransteht: bewaffnet. Seit mehr als zwei Jahrhunderten unterhalten die Eidgenossen Streitkräfte, um ihren Sonderstatus im Zweifelsfall auch nach außen verteidigen zu können.

Wie in der Schweizer Politik herrscht auch in der Armee das sogenannte Miliz-Prinzip: Grundsätzlich sind alle Bürger für diese öffentliche Aufgabe verantwortlich und erfüllen sie nebenberuflich. Die Armee besteht also zum großen Teil aus Wehrpflichtigen, die eine Grundausbildung und mehrere Auffrischungskurse ableisten müssen, und nur zu einem kleinen Teil aus Berufssoldaten. Die schöne Idee kennt allerdings Ausnahmen: Männer müssen, Frauen dürfen Wehrdienst leisten.

Doch das schweizerische Bürgerheer kommt zunehmend an seine Grenzen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der jährlich eingezogenen Rekruten kontinuierlich gesunken, dafür entscheiden sich immer mehr taugliche Schweizer für den Zivildienst - obwohl er anderthalbmal so lange dauert wie der Wehrdienst.

Eine App gegen das Verletzungsrisiko

Die Armee versucht nun gegenzusteuern, unter anderem mit modernsten digitalen Mitteln: Die frisch lancierte Gratis-App "ready #teamarmee" soll angehende Rekruten körperlich und mental auf ihre Grundausbildung vorbereiten. Sie richtet sich vor allem an Teenager - wehrpflichtige Schweizer werden frühestens mit 17, spätestens mit 25 eingezogen - und soll dabei helfen, "sich in beste Position für die Musterung zu bringen", wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.

Ähnlich wie eine herkömmliche Fitness-App stellt "ready" auf Basis persönlicher Angaben einen individuellen Trainingsplan zusammen. Der "Clou" jedoch, schreiben die Anbieter, sei die Wunschfunktion: Mit der App können sich die Nutzer gezielt auf eine bestimmte militärische Funktion vorbereiten - vom Fallschirmaufklärer ("du gehörst zur Elite") über den Hundeführer ("waffenlos möglich") zum Truppenkoch ("sportliche Leistungsfähigkeit: keine") ist alles dabei. Die Trainingseinheiten haben Sportwissenschaftler entwickelt, von Militärpsychologen stammen die Informationen zur mentalen Stärkung.

Mit der 600 000 Franken teuren App will die Schweizer Armee nicht nur künftige Wehrdienstleistende motivieren, sie will auch das Verletzungsrisiko und damit die Abbrecherquote senken. Jedes Jahr geben nämlich etwa 20 Prozent der Rekruten vor Abschluss ihrer Ausbildung auf - oft aus körperlichen Gründen.

Ob die neue App da tatsächlich Abhilfe schaffen kann, muss sich zeigen. Sie ist zumindest nicht das einzige Instrument, mit dem der Fortbestand der Schweizer Armee gesichert werden soll. Die Regierung hat jüngst mitgeteilt, dass sie das Gesetz zum Zivildienst reformieren will - die Zulassungsquoten seien ihr eindeutig zu hoch. Außerdem versuchen Verteidigungsministerium und Armee fieberhaft, mehr Soldatinnen zu gewinnen. Bislang liegt der Frauenanteil in der Armee bei weniger als einem Prozent. Irgendetwas müssen sich die Behörden einfallen lassen. Denn: Eine Schweiz ohne Wehrpflicht oder gar ohne Armee, das haben mehrere Volksabstimmungen gezeigt, kommt für die große Mehrheit der Eidgenossen nicht infrage.

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