Schweden:Unruhen in Stockholmer Problemvierteln

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Autos brennen, Schaufensterscheiben werden eingeschlagen, Polizisten mit Steinen beworfen - im Norden Stockholms hat es in den vergangenen drei Nächten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizisten gegeben. Die Krawalle sollen ausgelöst worden sein, nachdem ein Mann aus dem Problembezirk Husby von Polizisten erschossen worden war.

Der Mann schwenkte eine Machete - schwedische Polizisten erschossen den 69-Jährigen aus dem Problembezirk Husby. Diese Tat scheint in den Jugendlichen von Husby einiges ausgelöst zu haben. Denn kurz danach begannen in dem nördlichen Stadtteil gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen jungen Randalierern und Polizisten. Eine Schule, ein Waschsalon, ein Parkhaus und ein Dutzend Autos wurden in der ersten Nacht der Krawalle von Jugendlichen angezündet.

Mittlerweile haben sich die Auseindersetzungen auch auf andere Stadtteile und Vororte im Norden von Stockholm ausgeweitet, in der dritten Nacht in Folge rücken Feuerwehr und Polizei aus, um Brände zu löschen und Randalierer festzunehmen.

In der vergangenen Nacht haben Aktivisten erneut mehr als 30 Autos angezündet, vermummte Jugendliche warfen mit Steinen nach Polizisten, Schaufensterscheiben wurden eingeworfen, eine Polizeistation angegriffen. Bei den bis zu 100 Randalierern soll es sich nach übereinstimmenden Medienberichten um junge Immigranten handeln. Die Polizei nahm acht Personen fest.

Örtliche Aktivisten hatten der Polizei Tage zuvor übertriebene Gewaltanwendung vorgeworfen und gaben an, von den Beamten als "Herumtreiber" und "Affen" beschimpft worden zu sein.

"Eine gescheiterte Integration"

Der schwedische Premier Fredrik Reinfeldt sagte dem schwedischen Boulevardblatt Aftonbladet, es handle sich bei den Randalierern um eine Gruppe junger, wütender Männer, "die denken, dass sie die Gesellschaft mit Gewalt ändern können".

Der sozialdemokratische Oppositionsführer Stefan Löfven gab zu Bedenken: "Wir müssen auch eine Diskussion über die Ursachen der Kriminalität führen, und ich spreche vor allem über Langzeitarbeitslosigkeit." Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit 25,1 Prozent in Schweden über dem EU-Durchschnitt. Schweden ist im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl eines der größten Einwanderungsländer der EU. Die Jugendarbeitslosigkeit unter dem Immigranten ist besonders hoch.

"Es ähnelt sehr dem, was wir in London oder Paris gesehen haben, nur noch nicht so extrem. Aber es ist ein Zeichen für ein ähnliches Problem - einer gescheiterten Integration", sagte Per Adam, Professor an der Universität Uppsala, der Financial Times.

Die Sozialwohnblöcke in Husby wurden in den frühen Siebziger Jahren im Zuge eines umstrittenen Programms der schwedischen Regierung errichtet, mit dem günstiger Wohnraum geschaffen werden sollte. Nach Schätzungen haben knapp 80 Prozent der etwa 12.000 Bewohner einen Migrationshintergrund. Die Quote der Jugendarbeitslosigkeit gehört zu den höchsten des Landes. Ein im Jahr 2007 gestartetes Sanierungs- und Verschönerungsprogramm der Wohnblöcke blieb bisher ohne sichtbare Ergebnisse.

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