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Schweden:Stockholmer Polizei soll Herkunft von Straftätern nicht nennen

Das geht aus einem internen Schreiben vom September hervor, das erst jetzt bekannt wurde. Die Anordnung soll verhindern, dass Polizeibeamte für Rassisten gehalten werden.

Die Polizisten in der schwedischen Hauptstadt Stockholm sollen gegenüber der Presse möglichst keine Details zu Herkunft und Hautfarbe von Straftätern mehr bekanntgeben. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das von einem Pressesprecher der schwedischen Polizei stammt. Der Brief soll bereits im September des vergangenen Jahres an die Polizei in Stockholm verschickt worden sein. Er liegt nun dem Svenska Dagbladet vor.

Die Anordnung soll verhindern, dass Polizisten des Rassismus bezichtigt werden. Es gebe gelegentlich Kritik, wenn die Polizei beispielsweise über die Hautfarbe eines Verdächtigen berichtet, heißt es in dem Schreiben. Deshalb habe man sich zu diesem Vorgehen entschlossen.

In Deutschland ist ein solches Vorgehen bislang nicht geplant

Erst gestern hatte es massive Kritik an der schwedischen Polizei gegeben. Die Tageszeitung Dagens Nyheter berichtete, dass bei einem Musikfestival im August Mädchen unsittlich berührt und bestohlen worden seien. In 36 Fällen hätten Betroffene Anzeige erstattet. Die Polizei habe die insgesamt 200 auffälligen Teilnehmer zwar damals vom Gelände verwiesen, die Vorfälle jedoch verschwiegen. Dem Zeitungsbericht zufolge sollen die meisten identifizierten Verdächtigen minderjährige Asylsuchende aus Afghanistan gewesen sein.

In Deutschland ist es bislang nicht geplant, auf Täterbeschreibungen zu verzichten. Wie detailliert die Angaben sind, die zu mutmaßlichen Straftätern gemacht werden, ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Berlin und Nordrhein-Westfalen etwa orientieren sich am Pressekodex des Deutschen Presserates und erwähnen Religion, Ethnie oder Nationalität nur, wenn sie für das Verständnis des Sachverhalts wichtig sind. In Bayern dagegen gibt es dazu keine einheitlichen Regelungen.

© SZ.de/jps/sobu/vit

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