Schweden Quallen legen Atomreaktor lahm

Massenweise glibberige Meerestiere haben das Kühlsystem im schwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn so verstopft, dass ein Reaktor abgeschaltet werden musste. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

Das AKW Oskarshamn ist eines der leistungsstärksten der Welt (Archivbild von 2008).

(Foto: dpa)

Nicht nur Erdbeben, Tsunamis oder terroristische Angriffe können Atomkraftwerken gefährlich werden. Manchmal sorgt schon ein kleines, unscheinbares Tier für Ärger, zumindest, wenn es in Scharen auftritt. Im schwedischen AKW Oskarshamn musste ein Reaktor wegen einer Quallen-Invasion abgeschaltet werden.

Zahllose Weichtiere drangen in den Kühlkreislauf des Reaktors ein und verstopften die Filter in den Rohren, durch die kaltes Ostseewasser in die Turbinen der Anlage gepumpt wird.

Als die Invasion am Wochenende entdeckt wurde, sei der Reaktor am Sonntag "vorsorglich" abgeschaltet und die Kühlanlage gereinigt worden, hieß es in einer Mitteilung der Betreiberfirma, der Eon-Tochter OKG. Am Mittwoch wurde der Meiler wieder hochgefahren. Oskarshamn 3 ist einer der größten Siedewasserreaktoren der Welt, mit einer Leistung von 1400 Megawatt.

In jedem Herbst müssten Quallen aus der Anlage entfernt werden, sagte eine OKG-Sprecherin. Aber diesmal seien es "so viele wie nie zuvor" gewesen. Nicht nur Oskarshamn hat mit den glibberigen Meerestieren - in diesem Fall genauer: Ohrenquallen - zu kämpfen. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, im vergangenen Jahr habe das kalifornische AKW Diablo Canyon seinen Reaktor 2 vorübergehend abschalten müssen, als Salpidae (quallenähnliche Seetiere) dort in Massen die Meerwasserpumpen verstopften. 2005 war es laut AP in Oskarshamn schon einmal zu einem solchen Vorfall gekommen.

In Zukunft könnten sich solche Vorkommnisse womöglich noch häufen. Wissenschaftler machen neben dem Artensterben im Ozean auch Verschmutzung und Erwärmung der Meere für die Ausbreitung von Quallen verantwortlich. Die Meeresbiologin Lene Moller sagte der AP, riesige Quallenpopulationen schienen sich in der Tat zu häufen. "Aber es ist sehr schwierig, das genau zu sagen, weil es keine historischen Daten gibt."